[Filmreview] Filme mit Bewusstsein

Harriet – Der Weg in die Freiheit (2020)

Als ich auf eine kostenlose Kinosession in Edinburgh gestoßen bin, die sich dem Black History Month verschrieben hatte, konnte und wollte ich nicht widerstehen. Natürlich wurden dabei alle richtlinien eingehalten, wodurch nur sehr wenige Zuschauer da waren und man sich nicht einmal wirklich mit einem Nachbarn austauschen konnte, dennoch waren wir definitiv alle in unserer Ergriffenheit und Ungläubigkeit angesichts dieser wahren Geschichte miteinander verbunden. Zugegebenermaßen hatte ich zuvor – was wirklich eine Schande ist – noch nie von Harriet Tubman gehört, bin aber verflucht froh, nun diese Wissenslücke geschlossen zu haben. Was für eine Frau, was für ein Mensch! Wenn ihr nach einem Film sucht, der euch dazu motiviert, die Welt verändern und anderen Menschen helfen zu wollen, dann ist dieser definitiv der Richtige, denn Harriet hat bewiesen, dass, egal wie unwahrscheinlich und unmöglich etwas scheint, dies noch lange kein Grund ist, es nicht zu versuchen, um anderen Menschen zu helfen. Dargestellt wurde diese mutige, unglaubliche Frau von Cynthia Erivo und das mit Bravour! Jeder Monolog, jedes Lied, jede Szene, in der man einfach nur ihr Gesicht einfängt, war bewegend und überzeugend bis in die letzte Faser meines Körpers. Unterstützt wurde ihre grandiose Darbietung noch von u.a. Leslie Odom Jnr., der tatsächlich der Grund dafür war, dass ich diesen Film überhaupt ansehen sollte, sowie Janelle Monáe und auch Joe Alwyn als stereotypischer, aber doch dreidimensionaler Sklaventreiber. Die Performance aller Darsteller konnte mich zutiefst berühren und vereinnahmen, ich habe mit diesen Figuren gezittert und gebetet, fühlte mich aus dem Saal heraus und in die Geschichte hinein gezogen, die so wahr und erschreckend zugleich ist. Eine absolute Empfehlung – nicht nur in diesem Monat, sondern immer!

 

 


 

The Boys in the Band (2020)

Wenn es der Trailer nicht bereits konnte, dann verspreche ich, dass der Film selber euch mit Gewissheit überzeugen können wird. Selbst wenn man mit dem Cast im Gegensatz zu mir absolut nichts anfangen kann, dann muss man spätestens nach der Hälfte der Laufzeit eingestehen, dass er umwerfend gut ist und vor der Kamera fantastisch und auf die denkbar nervenaufreibendste Weise miteinander harmoniert. Diese zwei Stunden nehmen die Zuschauer mit auf eine emotionale Fahrt – zwischen Hoch und Tief, zwischen Humor und trauriger und bedrückender Realität -, auf der man die Charaktere, aber auch unsere Welt durch ganz neue Augen zu sehen beginnt. Einige Sprüche spürt man wie einen Nadelstich mitten ins Herz, andere gehen einem schleichend unter die Haut und bleiben dort auch noch lange nach Ende des Filmes, das zu vielerlei Gedanken und Interpretationen einlädt, hängen. Das Zusammenspiel dieser diversen und dabei so unterschiedlichen Charaktere, die in ihrer Homosexualität einen gemeinsamen Zug teilen, sich aber sonst in kaum einer Weise gleichen, ist spannend und aufreibend zu betrachten und konnte mich in dieser Filmadaption unheimlich von sich überzeugen. Zu Beginn wusste ich nicht so richtig, was ich von dieser Verfilmung erwarten sollte, wenn ich auch wusste das die Broadway-Adaption des Stücks einige Preise abgeräumt hat, jedoch konnte ich die Meisterklasse in jeder Minute spüren und würde die Schauspieler, den Autoren und das gesamte Produktionsteam nun nur allzu gerne mit Preisen überschütten! Ein Muss für jeden, der unsere Gesellschaft auf ehrliche Art und Weise vor Augen geführt haben möchte – auch die halbstündige Dokumentation kann ich dafür im Anschluss sehr empfehlen!

 


Zwei Filme, von denen ich keine genaue Vorstellung hatte, bevor ich sie begonnen habe, die mich aber bis tief unter die Haut berührt und im Herzen erschüttert haben. Sie richten den Blick auf Teile unserer Gesellschaft und unserer Geschichte, derer sich viele von uns nicht bewusst sind, sodass ich sie nur jedem empfehlen kann. Leichte ‚Lektüre‘ ist definitiv keiner von beiden, aber dafür umso sehenswerter.

 

Liebe Grüße, eure Sophia

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