[Reise] Meine Schottland-Erfahrung: Edinburgh

Hallo liebe Reisebegeisterten,

zurzeit ist es uns leider nicht vergönnt, die Welt zu erkunden, wie vermutlich viele von uns es gerne tun würden – was jedoch auch mehr als vernünftig und absolut notwendig ist. Stattdessen sehnen wir uns durch Filme, Bücher und Post-Beiträge wie diesem hier in andere Länder, Städte oder gar auf entfernte Kontinente. Für mich ging es zuletzt (heißt: Ende letzten Jahres) gar nicht mal so weit weg und doch war mein Auslandssemester im wundervollen Edinburgh eine vollkommen neue und aufregende Erfahrung für mich. Überall, in der Stadt und um sie herum, durfte ich atemberaubende Anblicke aufsaugen, neue Dinge lernen, sehen und erfahren und mich mit der Geschichte und Kultur Schottlands auseinandersetzen. Dafür musste ich überhaupt nicht weit reisen. Die größte Distanz, welche ich zu den hier sogleich aufgeführten Empfehlungen für euren Besuch in der schottischen Hauptstadt zurückgelegt habe, waren 40 Minuten im Bus oder eine Stunde zu Fuß, da ich in letzterem Fall einfach zu geizig war, um für den Nahverkehr zu zahlen, wenn man doch die Stadt selber beim Spazierengehen viel besser erkunden kann. Ich hoffe, ich kann mir diesem Beitrag ein wenig eure Begeisterung für Edinburgh wecken und euch vielleicht – sobald es wieder möglich ist – zu einem Ausflug in diese bezaubernde Stadt begeistern.

 

Ausblick vom Arthur’s Seat auf eine der (meiner Meinung nach) schönsten Städte der Welt. ©Sophia Noack

Nicht weit von der Royal Mile befinden sich auch unglaublich schöne Straßen wie die Victoria Street, eine der Inspiration für J.K. Powlings Diagon Alley. ©Sophia Noack

Wenn man von einem tage- oder gar wochenlangen Aufenthalt in der Stadt spricht, dann schreckt das viele zugleich ab, denn sie verbinden Stadt mit Aufruhr, Stress, ja, Kultur, aber auch wenig Entspannung und Auszeit. Das habe ich im Gegensatz zu anderen Städten in Edinburgh überhaupt nicht so empfunden. Edinburgh ist vom Umfang und seinen Einwohnerzahlen in etwa so groß wie Leipzig, sodass ich mich lediglich mit der neuen Umgebung, weniger jedoch mit einer überraschenden Umstellung auseinandersetzen musste. Bedingt durch die Corona-Situation war vermutlich verhältnismäßig noch weniger los, doch gerade das habe ich genossen. Man konnte vollkommen entspannt durch die Stadt schlendern, diese erkunden, und sich dabei nicht durch Massen von Menschen drängen. Gewissermaßen kann ich mir das auch unter normalen Umständen nicht vorstellen, wobei jedoch sicherlich auf der nur allzu berüchtigten Royal Mile unter den vor-Corona-Bedingungen einiges mehr los gewesen ist – und wieder sein wird. Aber das ist in den Touristenbereichen einer Stadt ja immer so. Hingegen bietet Edinburgh aber auch unheimlich viel Natur, wofür man nicht einmal aus der Stadt herausgehen muss. Wer eine Pause von dem Menschen-Trubel braucht, kann sich mitten in der Stadt in die Meadows begeben und im Park etwas entspannen. Dort tummeln sich zugegebenermaßen auch einige Menschen, aber eben auf einer unheimlich großen, grünen Fläche, sodass jeder seinen Platz hat, den er dann zum Sport, zum Entspannen und Treffen mit Freunden nutzen kann. Auch der Holyrood Park mit seinen Wanderwegen hinauf und um den Arthur’s Seat herum ist keine Viertelstunde vom Stadtzentrum entfernt. Folgt man der Royal Mile ausgehend vom Edinburgh Castle hinunter, kann man nicht nur abbiegen und eines der Settings aus Avengers: Infinity War in Form des Fensters, durch welches Wanda Maximoff einen Angreifer schleudert, sowie die St. Giles‘ Cathedral und den Holyrood Palace bewundern, in dem die königliche Familie bei Besuchen unterkommt, sondern ist auch in Kürze im Holyrood Park mit seinen Teichen und seiner freien Natur.

St. Giles‘ Cathedral direkt an der Royal Mile. ©Sophia Noack

Insgesamt kann ich den Arthur’s Seat, welchen ich, wenn ich mich nicht verzählt habe, ganze sieben Mal vollständig erklommen habe, nur empfehlen, um sich einen Überblick über Edinburgh zu verschaffen. Als höchste Erhebung im Umkreis befindet er sich doch geradezu mitten in der Stadt und bietet einen atemberaubenden Ausblick über das Stadtzentrum, die weiter entfernt liegenden Pentlands, aber auch bis hinüber zum Meer und dem Strand von Portobello – alles äußerst sehenswürdige Flecken im Umkreis Edinburghs. Wem nämlich das bisschen Wandern auf den Arthur’s Seat, das ich jeden Montagmorgen bewältigt habe, nicht reicht (wobei für viele Deutsche das bereits äußerst anstrengend sein wir), der kann sich für einen Tag oder gar länger in den Pentland Hills Regional Park begeben, dort wandern gehen oder einfach nur bei einem Spaziergang die Natur genießen. Auch von hier hat man einen wunderbaren Ausblick in Richtung Edinburgh, wenn man auch zu weit entfernt ist, um Details zu erkennen, aber auch auf die Stadt Penicuik. Wir waren in diesem Regional Park für nur wenige Stunden und haben sicherlich 10km und viele, viele Höhenmeter zurückgelegt, wobei ich empfehlen kann, dies nicht nach einigen Regentagen zu tun, da dies den Aufstieg um einiges erschwert und auch den Abstieg gefährlich gestalten kann. Dennoch kann ich euch einen Ausflug dorthin nur sehr ans Herz legen.

Ausblick in die Pentlands mit Edinburgh ganz weit im Hintergrund. Natur pur und doch so nah an der Stadt. ©Sophia Noack

Einen weiteren guten Aussichtspunkt bietet außerdem der geschichtsträchtige Calton Hill in der New Town, sowie der Castle Hill am Anfang der Royal Mile in der Old Town. Damit sind bereits drei der sieben Hügel um Edinburgh benannt,  welche ich auch mehrfach bestiegen habe, um den Ausblick von dort oben zu bewundern. Egal, wo in der Stadt man sich gerade befindet, man muss nicht lange suchen, um bereits während einer Sightseeing Tour einige Höhenmeter zurückzulegen, denn Edinburgh ist zugegebenermaßen sehr hügelig und kann für Leute wie mich, die es aus Deutschland nicht gewohnt sind, zuerst eine Herausforderung darstellen, dann aber zum Vergnügen werden. Auch der Blackford Hill ist einen Besuch wert, denn obwohl er nicht so hoch und anstrengend ist wie der Arthur’s Seat, befindet er sich an der südlichen Grenze der Stadt und bietet einen fast noch besseren Blick auf die Stadt in ihrer Gesamtheit – von einem ebenmäßigeren Level und mit dem Arthur’s Seat im Panorama. Es sollte einem jeden nur immer bewusst sein, dass auf einen Berg zu steigen auch heißt, sich Wind und Wetter auszusetzen, was in Schottland etwas vollkommen anderes bedeutet als in Deutschland. Vor allem die Windstärke ist soweit im Norden manchmal fast unerträglich, was sich auf Erhebungen dann noch einmal verstärkt. Auch Regen kann einen relativ unvorhersehbar erwischen, weswegen es nur zu empfehlen ist, sich immer auf alles vorbereitet zu kleiden. Dennoch ist ein Ausflug auf diese vier Berge es definitiv wert, jedwede Strapatzen auf sich zu nehmen, denn ein jeder von ihnen bietet unvergleichliche Ausblicke, die sich einem einbrennen.

Ausblick über Edinburgh vom Blackford Hill. ©Sophia Noack

Wer Natur genießen, jedoch nicht unbedingt ins Schwitzen kommen möchte, weil er auf eine Erhöhung hinauf krakselt, dem bietet Edinburgh weitere Schätze. Zur Cramond Island sind es mit dem Bus nur etwa 40 Minuten und bei Ebbe (über die man sich online im Vorfeld erkundigen kann) ist es einem möglich, durch den Ozean vom Festland zur Insel hinüber zu laufen – ein berauschendes Gefühl, das sage ich euch. Die Insel ist nicht so groß, dass man dort einen ganzen Tag verbringen muss, jedoch bietet die Ebbe ein gutes Zeitfenster, um sie einmal in gemäßgtem Schritt zu umrunden, die Natur und Schönheit des Meeres einzunehmen und auch etwas zu essen, wenn man denn will. Doch Strand gibt es nicht nur im Norden der Stadt, sondern auch im Osten. Zu Fuß konnte ich innerhalb einer Stunde am Portobello Beach sein und den Sonnenuntergang bewundern. Es hat mich zugegebenermaßen überrascht, wie schnell man am Meer sein kann, wenn man doch mitten in der Stadt untergekommen ist, und dass es überhaupt so viel „Strand“ in Schottland gibt. Aber ja, man sieht nur allzu viele Menschen sogar bei den kältesten Temperaturen ins Wasser laufen, wobei mich jedes Mal ein kalter Schauer durchfahren hat. Nichts für mich, aber chapeau an alle, die sich das trauen! Auf dem Fußweg vom Stadtzentrum nach Portobello kommt man zu dem an einem wundervollen kleinen Garten vorbei, den man für einen kurzen Aufenthalt besuchen kann, wenn man denn möchte: Dr Neil’s Garden. So viel gezähmte und doch freilebende Natur direkt am Loch Lomond ist einfach berauschend schön.

Cramond Island bietet einen unvergleichlichen Ausblick aufs Festland und das Meer zugleich. ©Sophia Noack
Der Royal Botanic Garden bietet unvergleichlich schöne Naturerscheinungen. ©Sophia Noack

Jedem, der sich für Pflanzen und Gärten begeistern kann, sollte auch der Royal Botanic Garden im Norden der Stadt nicht entgehen, den man wie so gut wie alles andere auch kostenfrei besuchen kann. Lediglich eine Anmeldung war notwendig. Die Welt aus Grün, die sich einem dort bietet, ist kultiviert, aber auch überraschend exotisch und bewundernswert. Man kann für einen kleinen Aufpreis auch die Glashäuser besuchen, worauf ich jedoch verzichtet habe. Mir hat die außerhalb sichtbare Natur bereits gereicht und den sonnigen Tag, den wir gerade erwischt hatten, noch etwas mehr versüßt. An einem solchen Tag sollte man wirklich nicht drinnen sitzen, sondern sich auf Spurensuche durch die Stadt begeben und zum Beispiel dem Walk of Leith folgen, der sich auch durch das Dean Village zieht, ein altes Marktviertel, und einen dann zum eher moderneren Marktviertel mit vielen kleinen, feinen, unabhängigen und interessanten Geschäften führt. Es waren vor allem diese kleinen Flecken, fern von den Touristenmeilen der Royal Mile oder auch der Princes‘ Street in der Neustadt, die mein Herz gewonnen und bereichert haben. Natürlich kann man aber auch diese nicht vollends meiden, wenn man die Stadt in all ihren Zügen entdecken will oder hin und wieder auch mal für einen Bummel ausgelegt ist. Vor allem die Princes‘ Street, welche Alt- und Neustadt trennt, ist gefüllt mit großen Ketten, in denen man eben alles, wirklich alles, findet. Vor allem in das kleine, aber feine Geschäft „Whittard of Chelsea“, welches verschiedenste Sorten an Heißer Schokolade, Kaffee und Tee anbietet habe ich mich verliebt und bestelle nun trotz Versandkosten auch aus Deutschland große Mengen dieser süchtig machenden Substanzen. Aber auch Kultur findet man nahe dieser betriebsamen Straße: der Princes Street Garden mit der Ross Fountain bietet mitten in der Stadt eine weitere Möglichkeit zum Verschnaufen und zudem einen wundervollen Blick hinauf zum Castle Hill und dem Schloss selber. Aber auch das Scott Monument (wer sich für Autoren aus Edinburgh interessiert, sollte auch das Writers‘ Museum besuchen), sowie die National Gallery liegen direkt daneben, welche ihre Besucher in frühere Zeiten und ganz besondere, gigantische Gemälde entführt. Wer sich zudem noch mehr für Kunst begeistern kann, der sollte auch die National Portrait Gallery besuchen – alles lediglich auf Kosten eurer Zeit, die aber bei Interesse wirklich gut investiert ist. Auch der St Andrew Square sollte in der Neustadt mal überschritten werden, denn er ist sicher nicht nur fein dekoriert in der Weihnachtszeit einen Besuch wert.

Die National Gallery an der trubelreichen und zum Shoppen einladenden Princes‘ Street. ©Sophia Noack

Wem es nach noch etwas mehr Geschichte verlangt, der kann etwas südlich der Stadt einen Blick auf oder sogar hinein in das Craigmillar Castle, eine/m der besterhaltendsten schottischen Schlösser/Burgen, werfen. Im Norden der Stadt findet man zudem die Yacht Brittania und das Stadtviertel Leith selbst, welches einigen vielleicht aus Filmen wie „Sunshine on Leith“ bekannt ist. Zudem kann man sich mit einem kurzen Abstecher in die Morningside in den „Wild West“ versetzen lassen, auch wenn man bei dem Titel wohl mehr erwarten mag als einen zugegebenermaßen cool gestalteten Hinterhof, der einen glauben macht, dass man denächst Lucky Luke gegenüber stehen wird. Natürlich zieht es viele Besucher der Stadt auch zu den etwas bekanntereren Anlaufpunkten, auch wenn das Edinburgh Castle durchaus etwas teuer ist, wenn einem auch viele Museen im Inneren inklusive geboten werden. Direkt vor dem Schloss entgeht vielen jedoch eine Gedenkstelle für die Hexenverbrennungen, denn The Witches Well ist nicht sonderlich auffällig in seiner geringen Größe und oft übersehenen Beschilderung. Auch das National Museum bietet viele historischen Informationen über die Besiedlung und die Königsfamilien Schottlands, aber auch grandiose Einblicke in die Zeiten noch vor den Menschen, Tierreiche, fremde Kontinente und Kulturen, sowie Technologie- und Modeentwicklungen der letzten Jahrhunderte – eine grandiose Mischung, bei der jeder etwas für sich entdecken kann und die so viel zeigt, dass ich das Museum ganze zweimal besucht habe, um mir für alles Zeit zu nehmen.

Ausblick auf das Edinburgh Castle vom Princes Street Garden aus. ©Sophia Noack
Auf den Spuren von Edinburghs Mördern im Advocate’s Close. ©Sophia Noack

Natürlich bietet so eine Stadt auch eine ganz schöne Menge an Sehenswürdigkeiten und die Angst, irgendetwas zu verpassen, kann einen Besucher durchaus überfordern. Wem das nach diesem Beitrag vielleicht so geht oder wer sich insgesamt lieber ein wenig von erfahrenen Guides herumführen lässt, dem kann ich die Edinburgh Free Tours ans Herz legen. Free Tours heißt lediglich, dass diese geführten Touren von eineinhalb oder gar zwei Stunden keinen festen

Traumhafte kleine Gassen verzaubern bei Tag und Nacht – besonders in der Weihnachtszeit. ©Sophia Noack

Preis haben, den ihr verrichten müsst, um an ihnen teilzunehmen. Stattdessen genießt ihr die Tour, nehmt alles auf, stellt Fragen und erfahrt Dinge und Geschichten, die ihr sonst wohl niemals zu hören bekommen hättet, und entscheidet am Ende der Tour, was euch dieses Erlebnis wert ist und wie viel ihr entbehren könnt. Beide Tour Guides, die ich kennenlernen durfte, waren unglaublich nett, witzig und wussten über jenes Bescheid, was sie ihren Zuhörern erzählt haben. Ob ihr mehr über die Altstadt, die New Town, Geistergeschichten oder gar die in Edinburgh angesiedelten Inspirationen für Harry Potter erfahren wollt, diese Free Tours sind definitiv einen Versuch wert und können euch sicherlich ebenso begeistern wie mich. Zudem entdeckt ihr auf ihnen sicher bisher unbekannte Schätze und Orte, die euch durch Recherchen im Internet durchaus entgehen würden – und diese sind mir, wie bereits erwähnt die liebsten.

 

Eine Stadt zum Verlieben: Ausblick vom Calton Hill bei Nacht. ©Sophia Noack

Na, konnte ich ein wenig euer Fernweh wecken und euch für diese besondere Stadt begeistern?

 

Liebe Grüße, eure Sophia

 

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