[Rezension] Küchenfreude #1

Liebe Kochbegeisterte,

mit großer Begeisterung habe ich zuletzt festgestellt, dass ich mich nicht nur immer mehr für Kochbücher faszinieren kann, sondern diese auch immer mehr das bieten können, wonach ich mich sehne und wonach ich Ausschau halte. Vielleicht sind beide Entwicklungen auch indirekt miteinander verbunden, wer weiß… Auf jeden Fall habe ich nicht nur den vielseitigen ZS Verlag entdeckt, sondern sehe so gut wie immer und überall neue vegane Kochbücher. Diese sind und werden, Gott sei Dank, immer weiter verbreitet und bieten Inspirationen und auch die nötige Motivation für eigene Kochexperimente, sowie den Übergang zu einer umwelt- und tierschonende, rein pflanzliche Ernährung. Hier stelle ich euch nun die ersten beiden zuletzt entdeckten Kochbücher vor…

 


Vegan – das Kochbuch von Jean-Christian Jury

Jean-Christian Jury, der Star der veganen Kochszene, erkannte nach einem Herzinfarkt, dass er seine Ernährung um seiner Gesundheit willen umstellen musste, er stieg komplett auf Rohkost und vegane Speisen um. Deutlich fitter und energiegeladen begann er seine Kreativität und Begeisterung fürs Kochen auf die vegane Cuisine zu übertragen und eröffnete das erste vegane Fine-Dining in Berlin. Mit Vegan hat er nun kein gewöhnliches Kochbuch verfasst, sondern eine umfassende Kochbibel. Um seinem Anspruch nach gesunder und nachhaltiger veganer Küche gerecht zu werden, hat Jury Gerichte aus der ganzen Welt gesammelt, die genau diese Grundsätze erfüllen. Die Rezepte wurden für das Buch nicht einfach abgeändert um den veganen Vorstellungen zu entsprechen, sie präsentieren stattdessen die ursprüngliche vegane Vielfalt aller Kulturen dieser Welt – von Guadeloupe bis Surinam, von Afghanistan bis Litauen.

Neben 800 Rezepten beinhaltet Vegan einen Katalog an Grundlagen und Zutaten der veganen Küche sowie ein Kapitel mit Inspirationen von Koryphäen der Szene wie zum Beispiel Dan Barber (Blue Hill), Tony Lu (Fu He Hui) oder Michel Bras (Le Suquet). Die Bandbreite der Rezepte erstreckt sich dabei von leichten japanischen Pfannkuchen, über einen herzhaften provenzalischen Bohnentopf bis hin zu traumhaft köstlichen Granatapfel-Grieß-Bällchen.

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Was ich zu sagen habe….

Zugegebenermaßen hätte ich dieses Buch vermutlich nicht direkt in die Hand genommen, wenn dann aber schnell wieder weggelegt, sobald ich den Preis entdeckt hätte. Das Cover ist sehr schlicht, wenn auch interessant gestaltet, und kann den ein oder anderen sicher durch die Abwesenheit eines in der Küche stehenden und sein Essen genießenden Kochs oder einer ähnlich positionierten Köchin überzeugen. Mich hätte es aber eher weniger angesprochen, wäre der Titel nicht so allgemein und allumfassend gehalten. Im Klappentext wird es sogar als „Kochbibel“ beschrieben, dem ich aber leider widersprechen würde. Für mich bietet eine Bibel, eine Glaubensschrift, immerhin nicht nur Beispiele, sondern auch Basis-Wissen und ausgeschriebene Lehren. Das kommt in diesem Buch zwar etwas kurz – so ist die Einleitung sehr knapp gehalten und besteht nur aus einem Vorwort (Geschichte über den gesundheitlichen Tiefpunkt des Autors und seinen daraufhin stattfindenden Wandel zur veganen Ernährung) und einer hilfreichen Auflistung von Grundzutaten für einen jeden Vorrats- und Kühlschrank -, dafür überzeugt es jedoch gewiss nicht nur mich mit seinem geradezu überwältigenden Umfang an Rezepten und Variationen dieser. Unterteilt in Vorspeisen, Salate, Suppen, Hauptgerichte, Getreide und Hülsenfrüchte, Pasta und Nudeln, sowie Desserts bietet der Autor, ein leidenschaftlicher und langjährige Erfahrung vorweisende Koch, zahlreiche Möglichkeiten für die Zusammenstellung eines grandiosen und bestechenden Menüs.

Dabei könnte man glauben, dass man in diesem Buch mit viel zu anspruchsvollen Zutaten oder auch Arbeitsschritten überfordert wird, stammen die Anleitungen doch von einem erfahrenen und preisgekrönten Autor, doch so empfinde ich es absolut nicht. Die Anweisungen sind wunderbar einfach und leicht zugänglich erklärt, benötigen keine ungewöhnlichen Geräte und bieten notfalls sogar einfachere Zubereitungsmöglichkeiten an. Die Zutaten hingegen überraschen in ihrer Vielfalt und tauchen durchaus – jedoch nicht immer – in teils unbekannte Gefilde ab, worauf der Autor aber bereits im Vorwort hinweist. Was dieses Buch nämlich so besonders in seiner Komposition macht, ist, dass die Rezepte aus aller Welt stammen und ihnen ihre Herkunft auch direkt neben dem Titel zugeschrieben werden. Auch das Register am Ende des Buches bietet es den Lesern an, neben Hauptzutaten, Gerichten und der Menüfolge auch nach Ländern und dort entsprungenen Rezepten zu suchen. Dieses umfangreiche Register hilft zudem auch, in der großen Menge an Rezepten den Überblick nicht zu verlieren und sich zudem auch nicht überfordert von ihrer Masse zu fühlen. Mit Bildern werden geschätzt etwa 5-10% der Gerichte auch noch für die Leser veranschaulicht, wobei diese Prozentzahl meiner Meinung nach noch größer hätte sein können, auch wenn das Buch bereits jetzt durch seinen Umfang an Seiten und Kosten für manche zu viel erscheinen mag. An dieser Stelle kann ich jedoch beruhigt gestehen, dass ich neben diesem einen Kochbuch, hätte ich es direkt in gedruckter Form vor mir, wohl für mehrere Jahre kein weiteres brauchen würde: es bietet zahlreiche Varianten bekannter und neuer Rezepte, lädt durch Inspirationen aus aller Welt zum experimentieren ein und liefert die richtigen Anweisungen zum Gelingen der Kochabenteuer.

Nicht nur der Autor selbst ist dabei auf saisonale Kost bedacht, sondern auch die am Ende des Buches aufgeführten, beinahe einer „Weiterführenden Literatur“-entsprechenden Gastköche, die ebenfalls ein paar ihrer Favoriten aus ihrer eigenen Küche beitragen. Wer sich noch immer von der Menge an Rezepten überfordert fühlt, sollte sich auch vor Augen halten, wie gewiss man in diesem Buch dann auch für jeden Geschmack, für jede erdenkliche Zutat und für jede Gelegenheit etwas Passendes finden kann.  Egal ob süß, salzig, national, exotisch, kleiner oder großer Hunger, viel oder wenig Zeit, Jean-Christian Jury bietet hier jedem mehr als genug Ideen, Inspiration und Motivation für das nächste und viele weitere Kochorgien.

 


Einfach, Glücklich, Vegan von byanjushka

Die liebsten Seelenschmeichler-Rezepte für jeden Tag von Byanjushka

Anja Romaniszyn ist eine der erfolgreichsten Food-Bloggerinnen Deutschlands (byanjushka.com) und steht für Authentizität, Inspiration und vor allem für: leckeres, veganes Essen für Körper und Seele – ganz ohne Verzicht. Mit über 60 Wohlfühl-Rezepten zeigt Anja in »Einfach Glücklich Vegan«, dass veganes Kochen und Backen einfach ist und besonders viel Freude und Genuss bereitet. Es ist die Sammlung von Anjas Lieblingsrezepten, jedes der über 60 Rezepte spiegelt ihren persönlichen Geschmack wider. Ihr Kochbuch verbindet bekannte Klassiker aus ihrer Kindheit und Gerichte ihrer polnischen Wurzeln mit viel Neuem, wie z.B. einer „No Bake“-Zitronen-Tarte. Es gibt Rezepte für jede Gelegenheit um sich täglich Glücksmomente schaffen zu können: Von Frühstück und Brunch (hier warten Zitronen-Mohn-Pancakes mit Blaubeeren und veganes Rührei), über Hauptgerichte wie die aus Polen bekannten Piroggen (Teigtaschen), indischen Currys oder einer Lasagne hin zu Salaten und Beilagen wie türkischer Bulgursalat, würzige Ofen-Wedges und BBQ-Blumenkohlwings. Natürlich darf das Kapitel »Desserts und süße Snacks« nicht fehlen. Bei altbekanntem wie Mohnkuchen und Bienenstich oder modernen Coconut Bars wird jeder sein persönliches Glücksrezept finden. Darüber hinaus stellt Anja jede Menge Tipps und Tricks für eine vegane Küche zur Verfügung um den Einstieg in die vegane Ernährung zu erleichtern.

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Was ich zu sagen habe…

Wem das oben kommentierte Buch etwas zu umfangreich oder kostspielig ist, dem lege ich dieses hier ganz nahe ans Herz. In diesem 160-Seiten-Print teilt Anja Romaniszyn nicht nur unglaublich lecker aussehende und einfach zuzubereitende Rezepte, sondern auch ihre eigene Geschichte von einer ernährungstechnisch gestressten und unausgeglichenen Jugendlichen zu einer amateurhaften Meisterköchin mit großer Experimentierlaune und grandiosen veganen Entdeckungen. Ohne allzu sehr vergleichen zu wollen, haben mir vor allem diese ersten Kapitel in Anjas Buch unheimlich gefallen, denn sie bieten einen einfachen Einstieg für einen jeden, der teilweise vielleicht noch überhaupt keine Ahnung in der veganen Küche hat. Dabei vermittelt sie nicht nur hilfreiches Wissen über Austauschmöglichkeiten für tierische Produkte, sondern auch eine neugewonnene Freude, die sich in ihrem Schreiben und ihrer Sorgenfreiheit deutlich widerspiegelt.

Trotz des geringeren Umfangs bietet dieses Buch definitiv Rezepte für jedermann und jedefrau, für jeden Anlass und mit einem hohen Wohlfühlfaktor. Hier geht es nicht um Verzicht, sondern um das richtige Maß zwischen Genuss und gesunder Ernährung. Besonders die veganisierten Klassiker wie Tiramisu, Bananenbrot oder auch Lasagne haben es mir in dieser Zusammenstellung angetan, doch auch ich habe ganz neue Ideen und Inspirationen unter den Brotaufstrichen, bei den verschiedenen asiatisch angehauchten Pfannen und, ja, auch bei den Naschereien gefunden. Anjas Kochbuch bietet keine übermäßig ausgefallenen Rezepte, wenn es auch mit der einen oder anderen Variante überrascht, sondern liefert die passenden Rezepte, um all jenes geschickt vegan zu kochen und zu backen, was man im alltäglichen Leben nicht vermissen möchte – ganz ohne jeglichen Verzicht.

Vorbereitung ist alles – das weiß Anja und teilt ihre Tipps und Tricks dazu liebevoll aufbereitet innerhalb der ersten Seiten. Doch danach hören die Mühen und die offensichtliche Liebe für das Kochen und Backen nicht auf, sondern präsentiert sich in jedem Bild, in jedem Kommentar, in jeder Anleitung. Die Bloggerin hat ihr ganzes Herz in dieses Buch gesteckt und somit konnte sie mich mit dieser Zusammenstellung simpler und doch verwöhnender Gerichte begeistern. Egal ob zum Frühstück, für nur wenig Zeit, einen entspannten Kochabend oder süße Leckermäulchen wie mich – mit diesen Rezepten wird sicherlich Körper und Seele eines jeden vor Freude zergehen.

 


 

Liebe Grüße, eure Sophia

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