[Rezension] Maybe Not Tonight (Love is Queer #2) von Alicia Zett

Für den 19-Jährigen Luke fühlt sich die Zeit als Au pair in Vancouver an wie ein Traum: Jahrelang hat er sich nur darauf konzentriert, seinen Geschwistern den toten Vater zu ersetzen – jetzt, viele tausend Kilometer von Zuhause entfernt, scheint plötzlich alles möglich. Bei einem Theaterprojekt findet Luke schnell neue Freunde und lernt auch den Studenten Jackson kennen, der ihm zeigen könnte, was es bedeutet, wirklich lebendig zu sein. Doch Luke hat keine Ahnung, wie er mit seiner neuen Freiheit umgehen soll. Und in wenigen Monaten wird er in einem Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen. Es wäre äußerst unklug, sich auf Jackson einzulassen – oder?

Mit viel Gefühl und Einfühlungsvermögen schreibt SPIEGEL-Bestseller-Autorin Alicia Zett, die selbst in der LGBTQ+-Community aktiv ist, über die Liebe zwischen zwei jungen Männern, denen es das Leben bislang nicht leicht gemacht hat – und die es trotzdem bis zum letzten Tag genießen wollen.

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Was ich zu sagen habe…

Newslettern, die mich von Verlagen erreichen und von vielerlei Rezensionsexemplaren überzeugen wollen, schenke ich momentan nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit, da ich es mir neben der Uni und den damit verbundenen Verpflichtungen nicht erlauben möchte, allzu viele neue Bücher anzufragen. Diese würden sich nur stapeln und weder den entsprechenden Verlagen noch mir sonderlich helfen. Als ich diesen neuen Roman von Alicia Zett jedoch flüchtig erblickte, nachdem ich der Autorin bereits einige Wochen, wenn nicht gar Monate auf Instagram folge, konnte ich mich nicht sogleich wieder losreißen. Von ihrem ersten Roman, der bei Droemer Knaur erschienen ist, habe ich nur am Rande mitbekommen und auch dessen Cover war nicht so sehr mein Fall, doch diese Neuerscheinung sprach mich mit allem, was aufgeboten wurde, an: Klappentext, Cover, Marketing, Autorin – damit hatte mich der Verlag definitiv überzeugt und mich gegen meine eigentlich recht gut aufrecht erhaltene Regel verstoßen lassen. Dass ich die Geschichte von Luke und Jackson dann tatsächlich auch noch so schnell verschlungen habe, obwohl die Uni mir nicht sonderlich viel Freizeit gönnt, spricht definitiv noch einmal für es.

Obwohl Luke und ich auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, konnte ich mich unmittelbar mit ihm als unseren Protagonisten identifizieren und mit seiner Welt arrangieren – Alicia Zett nimmt uns ab der ersten Seite mit durch sein bisher nicht nur leichtes Leben und seine doch positiven und authentischen Gedanken. An Lukes Seite seine Familie zurück zu lassen und in das Abenteuer Ausland aufzubrechen hat mich noch einmal besonders getroffen, gerührt und verzaubert, da ich zuletzt in einer ähnlichen Situation gesteckt habe. In seinen Gedanken, seinen Problemen und seiner Begeisterung konnte ich mich schnell selbst wiederfinden. Auch seine Liebe für das Theater und Musicals haben mich angesprochen und durch liebevoll eingebundene Details überzeugt. In den Details steckt hier definitiv das ganze Herz und Können der Autorin – egal ob Luke und Jackson als unsere Protagonisten oder deren Freunde und Familienmitglieder als Nebencharaktere, sie alle waren ungemein authentisch, charakterstark auf jene Weise, die man sich von einem mitreißenden und realistischen Roman erhofft und individuell. Ich entsinne mich nicht mehr, wann ich zuletzt einen Roman gelesen habe, der so zahlreiche und doch vielschichtige Figuren liefern, was mich zögern lässt, diese als solche zu bezeichnen. Sie fühlen sich viel mehr wie Freunde oder Bekannte an, weswegen mir der Abschied von ihnen am Ende des Buches ebenso schwer fiel wie Luke nach seinem Auslandssemester.

Jackson mutet am Anfang als typischer Freigeist und Playboy an, zeigt jedoch schnell tiefere Gefilde und Gedankenspiele. Auf nur wenigen Seiten kommen wir unserem zweiten Perspektivträger unheimlich nahe und stehen doch vor einigen Mysterien, die seine Kapitel und jede weitere Offenbarung zu etwas ganz Besonderem machen. Leider erleben wir den Großteil der Handlung aus Lukes Sicht und blicken nur hin und wieder durch Jacksons Augen, sodass ich dieses perspektivische Ungleichgewicht wohl als einzigen Minuspunkt auslegen würde – wobei dieser gewiss sehr objektiv betrachtet auftritt. Ich hätte gerne noch mehr über ihn und durch ihn erfahren, könnte aber zu guter Letzt auch nichts nennen, was mir gefehlt hat. Die gesamte in diesem Roman erzählte Geschichte ist wundervoll ausgewogen, überzeugt mit mir als einer Liebesbeziehung und Herzschmerz und macht somit Lust auf jedes weitere Buch der Autorin.

 

Fazit: Hätte ich Zweifel daran gehabt, dass mir dieses Buch gefallen würde, wären sie nach spätestens drei Kapiteln verpufft. Mit „Maybe Not Tonight“ liefert Alicia Zett mehr als eine Liebesgeschichte, sondern erzählt zugleich von vielerlei persönlichen Herausforderungen und Entwicklungen, der unglaublichen Kraft von Freundschaft und Familie, sowie dem Mut, sich seinen Ängsten, seiner Vergangenheit, aber vor allem seiner Zukunft zu stellen.

 

Meine Bewertung:

 


Mehr zur Autorin:

Alicia Zett hat Film studiert, arbeitet derzeit bei einem lokalen Fernsehsender und spricht auf ihrem Youtube-Kanal (AliciaZett) über Bücher, Serien und LGBT-Themen. Ihr New Adult-Roman „Not Your Type“, der erste Band der Love is Queer-Trilogie, wurde zum SPIEGEL-Bestseller.
Die Autorin lebt mit ihrem Partner und zwei Katzen in Frankfurt am Main. Am liebsten schreibt sie im Stehen, und ohne ihr morgendliches Müsli und die geräuschreduzierenden Kopfhörer wäre dieser Roman sicher noch lange nicht fertig. Q

 

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