[Hörbuch] Madame Bovary von Gustave Flaubert *Rezensionsexemplar*

Das Drama einer Frau, die an ihrem eigenen Verlangen und an ihrer Umwelt scheitert.

Emma Bovary ist ein Mythos. Sie ist die leidenschaftliche, scheiternde Heldin jenes Romans, der selbst zum Skandal und Mythos wurde.
Emma Bovary lebt in der Provinz und träumt von großen Leidenschaften, großer Liebe und großem Leben. Sie langweilt sich in der Ehe, und bald sucht sie die ersehnten Erregungen im Ehebruch.
Mit Flauberts Roman wurde die moderne Literatur begründet. Aber als das Buch 1857 erschien, wurde dem Autor wegen »Unmoral« der Prozess gemacht.

Gelesen von Christian Brückner

Quelle, Hörprobe, Kaufen

 

Was ich zu sagen habe…

Über diesen Klassiker der französischen und allgemein europäischen Literatur bin ich zufällig gestolpert. Da ich gerade jedoch jede Möglichkeit wahrnehme, mich mit der französischen Kultur vertraut zu machen, fragte ich ihn als Hörbuch auf Netgalley an. Mein Jahr begann also äußerst literarisch, unterhaltsam und durchaus bewegend.

Von Gustave Flaubert habe ich schon viel gehört, aber eben noch nichts gehört oder gelesen gehabt. Von der Geschichte dieses Romans hatte ich ebenso wenig eine Ahnung, weswegen ich ihr vollkommen unvoreingenommen und doch mit einigen Vermutungen entgegen ging. Am Anfang blieb ich noch etwas ahnungslos und gar verwirrt, doch bald kristallisiert sich die Hauptfigur und ihre Unzufriedenheit heraus.

Besonders eindrucksvoll und zugleich einschüchternd empfand ich die Anzahl von Figuren, mit denen Madame Bovary verkehrt. Vor allem auf unsere Protagonist*innen fokussiert, namentlich Charles und Emma Bovary, blieben diese mir leider bis zuletzt zum Teil ein Mysterium. Jeder und jede verfolgt seine eigenen Ziele und selten erfährt Emma selbstlose Hilfe oder auch nur Zuneigung. Dabei kann man durchaus sagen, dass ihre Ehe mit Charles nicht von Schrecken oder dergleichen geplagt war. Vielmehr versucht er ihr zu geben, was er kann. Nur dass es eben nicht das ist, was sie sich wünscht und erhofft.

 

Den Weg aus ihrer Trostlosigkeit sucht die Protagonistin in außerehelichen Aktivitäten.

 

Die Handlung zieht sich eine ganze Weile, ist jedoch nicht langweilig, bis wir uns wirklich mit Emma beschäftigen. Erst dann können wir verstehen, was sie so hoffnungslos lässt und wonach sie sich eigentlich sehnt. Als Frau wird sie unentwegt in Rollen gesteckt, die Mann ihr  angedenkt – Möglichkeiten zur freien Entfaltung bleiben ihr versagt. Sie erlaubt sich erst nach langer Zeit, Gefühle für einen anderen Mann als ihren Gatten zuzulassen und auszuleben, dann verfällt sie dem Hoch dessen, was möglich scheint. Leider bleibt sie auch dann eine Frau in einer androzentrischen Welt, die ihren Untergang vorhersagt.

Wie so oft bei Klassikern offenbaren sich auch in diesem hin und wieder zeitlose Weisheiten und Erfahrungen. Ich konnte teils wundervoll nachvollziehen, was Emma sich erhofft, an anderer Stelle wollte ich ihre Naivität nicht glauben, anderswo ihren Mut und Stärke bewundern. Grandiose Zitate schwirren mir noch nach dem Lesen durch den Kopf, die ihre Situation und vor allem das Verhalten der sie umschwärmenden Männer vortrefflich in Worte fassen.

 

Mein Fazit

Die Geschichte einer Frau in einer Welt, die ihr keinen Raum zur freien Entfaltung lässt und sie in ein Wirrwarr aus Lügen und der unentwegten Suche nach Erfüllung stößt.

 

 


Der Autor:

Gustave Flaubert wurde 1821 in Rouen (Normandie) geboren. Schon seit seiner Jugend schrieb Flaubert unermüdlich. Aufgrund seiner hohen Ansprüche an sich selbst veröffentlichte er jedoch keines seiner Manuskripte. Sein erstes publiziertes Werk wurde der Roman „Madame Bovary“, der 1856 im Feuilleton der Revue de Paris erschien und der ihm einen Prozess wegen Verstoßes gegen die Sitten eintrug. Höchst einflussreich auf die Entwicklung des europäischen Romans war Flaubert mit „Lehrjahre der Männlichkeit“. Gustave Flaubert ist einer der besten Stilisten der französischen Literatur; zusammen mit Stendhal und Balzac bildet er das Dreigestirn der großen Erzähler Frankreichs. Er starb 1880 im Alter von 59 Jahren in Croisset. Q

 

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