[Musical] Mozart! und Miami Nights bei den Freilichtspielen Tecklenburg *04.-05.08.2023*

Hallo an alle gleichermaßen Musical-Begeisterten,

ursprünglich wollte ich meine Erinnerungen und Erlebnisse am letzten Wochenende in meinen Wochenrückblick einbauen. Mittlerweile glaube ich jedoch, dass zwei Highlights der letzten Tage mehr Aufmerksamkeit verdienen. In wundervoller Gesellschaft ging es am letzten Freitag für mich erneut nach Tecklenburg, wie bereits viermal zuvor. Dieses Mal standen zwei Musicals auf dem Programm, von denen ich eines bereits länger liebe, das andere noch gar nicht kannte. Deswegen stellte ich mich auf eine bunte Mischung ein. Jedoch war ich mir sicher, dass die Produktionen der Freilichtspiele Tecklenburg mich wie in jedem vorherigen Jahr begeistern können werden. Und dieses Mal hatten die Darsteller*innen und die Crew es wirklich nicht leicht. Ein Musical wurde beinahe durchweg im Regen aufgeführt. Das andere verlangte eine kurzfristige Umstrukturierung.

 


Mozart! – Freilichtspiele Tecklenburg, 4. August 2023

 

 

Im zweiten Jahr nach der Corona-Pause inszenierte das Team der Freilichtbühne Tecklenburg eines meiner liebsten Musicals. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen, nachdem ich bereits so vertraut mit der Wiener Inszenierung mit Oedo Kuipers und Mark Seibert war. Nichtsdestotrotz war ich mir sicher, dass Jan-Philipp Rekeszus einen wundervollen Mozart darstellen würde. Nur dass es bei unserer Vorstellung unter besonderen Umständen – dem Erkranken des Darstellers – zu Veränderungen in der Cast kam. So durften wir eine wahrlich besondere Aufführung genießen, in der wir einen Mozart auf der Bühne erlebten, jedoch die Stimme eines anderen hörten. Das Schauspiel der Titelfigur übernahm Janina Niehus, während Thomas Hohler unverhofft für den Gesang und den Text einsprang. Die vorangehende Ankündigung hat mich stutzig gemacht, doch diese Kombination war grandios! Die beiden Darsteller*innen haben uns eine einmalige, fantastische Darstellung geliefert.

Doch bei diesen beiden Talenten hört es nicht auf. Wie erwartet waren sowohl das Bühnenbild als auch die Kostüme in Tecklenburg wundervoll. Für Mozart traten zahlreiche Statist*innen auf die Bühne und füllten sie mit Leben. Überraschend gut gelang dies auch dem Darsteller von Graf Arco, obwohl ich bei Christian Schöne nichts anderes hätte erwarten sollen. Neben ihm verblasste Erzbischof Colloredo wahrlich, obwohl Alexander di Capri seine Soli toll vorführte. Ebenso waren Thomas Borchert und Brigitte Oelke wenig überraschend grandios in ihren Rollen und füllen diese auch nach fast zehn Jahren seit dem ersten Auftritt in ihren jeweiligen Rollen mit vielen Gefühlen. Besonders loben möchte ich zudem noch Wietske van Torgeren, die mit ihrem Gold von den Sternen dem gesamten Publikum Gänsehaut beschert hat. Auch Benjamin Eberling hat aus seinem Emanuel Schikaneder mehr herausgeholt, als ich der Rolle zugetraut habe.

Nur wenige Vorzüge würde ich der Wiener Produktion einräumen, denn die Tecklenburger Inszenierung lässt wirklich keine Wünsche offen. Unter den besonderen Umständen bin ich unglaublich dankbar für eine trotz allem so mitreißende und emotionale Vorstellung. Ich wünschte, dieses Musical direkt noch einmal ansehen zu können.

 

V.l.n.r.; Die Cast von Mozart, ich mit Janina Niehus, Andrew Chadwick und ganz links Wietske van Torgeren, die Cast von Miami Nights.

 

Miami Nights – Freilichtspiele Tecklenburg, 5. August 2023

Mit diesem Musical bin ich hingegen noch nie zuvor in Kontakt gekommen. Jedoch wissen wir bereits, dass jede Produktion in Tecklenburg einen Besuch wert ist. Nichtsdestotrotz hat mich dieses Musical noch eine ganze Weile nachdenken lassen. Zuerst einmal habe ich mich unheimlich gefreut, Andrew Chadwick in einer Hauptrolle erleben zu dürfen. Den Darsteller haben wir bisher nur in kleinen Rollen oder im Ensemble beobachtet und ihm nun das Rampenlicht sehr gegönnt. Obwohl seine Rolle, Jimmy, im Mittelpunkt der Handlung steht, würde ich meinen, dass ihm eine andere Rolle dennoch den Rang abgelaufen hat. Obwohl Andrew Chadwick ein wundervoller Jimmy war, hat ihm Christian Schöne als Roy Fire durchaus die Show gestohlen. Nicht nur waren seine Witze grandios und teils sogar dem Regenwetter nach improvisiert, er hat auch stimmlich alle anderen übertroffen. Leider habe ich aber auch das Gefühl, dass er die einzige Rolle gespielt hat, der man etwas Tiefe verleihen konnte.

Die Show kann durchaus unterhalten und das Publikum zum Lachen bringen. Nur befürchte ich, dass einige der Witze nicht mehr zeitgenössisch sind, wenn sie überhaupt jemals okay waren. Mir ist bewusst, dass das Musical eine Hommage an Tanzfilme der 80er-Jahre ist, aber auch das rechtfertigt keine diskriminierenden Untertöne. Wenn Andy und Jimmy tanzen üben, lacht das Publikum vor allem über die damit einhergehenden homoerotischen Schwingungen. Laura wird dazu angehalten, ihre Brille abzunehmen, wodurch Jimmy plötzlich erkennt, wie schön sie doch wahrlich ist. Auch Jessica, Jimmys erste Tanzpartnerin, verfällt darauf zurück, ihm ihre Schwangerschaft vorzugaukeln, um sich an ihm zu rächen. Das Musical baut somit auf viele Stereotypen, die ich leider nicht mehr sonderlich vertretbar finde. Außerdem lässt sich darüber streiten, ob das Ensemble eine kubanische Gruppe mittels Perücken und dunklerer Strupfhosen darstellen sollte, somit schon irgendwie Brownfacing betreibt, um Latinx Personen dazustellen.

Um auf einer positiven Note zu enden, möchte ich mein Highlight der Show noch hervorheben. Lucas Baier hat nicht nur als Superman seine Muskeln präsentiert, sondern auch als Emilia sein Tanzvermögen und seine Stimme unter Beweis gestellt. Als Bruder der kubanischen Protagonistin konnte er glücklicherweise zwischen Stereotyp und kulturellen Aneignung einen eigenen Charakter finden, der mich wundervoll unterhalten hat. Auch tritt Lucas ab dem zweiten Akt auch als Alex auf, der zuerst mit Roy Fire flirtet und schlussendlich auch mit ihm beim Tanzwettbewerb antritt. Natürlich war an dieser Stelle die Publikumsreaktion weniger begeistert. Und ich bin mir auch nicht ganz sicher, wie ehrlich die Intentionen des Musicals an dieser Stelle waren, habe Lucas und Christians Darstellung jedoch mit Beifall begrüßt.

 

 


Ich blicke erneut auf ein wundervolles Wochenende zurück und sehne mich bereits jetzt nach den Ankündigungen für nächstes Jahr. Da die Festspielbühne Tecklenburg dann ihr zehnjähriges Jubiläum feiert, können wir uns sicherlich auf ein fantastisches Programm freuen. Für mich steht allemal fest, dass ich erneut hinfahren werde. Allein für das immer tolle Ensemble, das grandiose Creative Team und das Kleinstadt-Ambiente.

 

Liebe Grüße, eure Sophia

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