[Rezension] SOMMERSOMMER von Finja Lundqvist

„Etwas an Aurie lässt mich träumen. Wenn er bei mir ist, sind meine Gefühle weiter und farbiger und größer.
Werden himmelsgleicher.
Dehnen sich aus, bis ich nicht mehr weiß, wo sie begonnen haben, wo sie enden.
Sie reichen bis weit über den Horizont, bis zu den Wolken. Manchmal bis zu den Sternen.
Sie sind tief und hoch
und viel zu weit für mein Herz.“

Es ist Juli, es sind Ferien, Aurie und Linus verbringen ihr Tage im Freibad und in tiefgrünen Sommerwäldern. Sie sind beste Freunde, seit sie denken können. Aber Linus ist in Aurie verliebt … und auch Auries Herz schlägt jedes Mal höher, wenn Linus in der Nähe ist. Alles könnte perfekt sein, als die beiden Jungen sich ihre Gefühle eingestehen – doch es ist verdammt schwer, eine Beziehung zu führen, wenn der eine in Tiefen aus Wut ind Verzweiflung zu versinken droht und der andere ihm nicht helfen kann …

Quelle

 

Von SuB-Leiche zu einem Sommer-Highlight

Dieses Buch erschien bereits in 2021 und sollte damals meine Sommer-Lektüre werden, geriet aber zwischen anderen erst einmal in Vergessenheit. Umso schöner war es, diese Best-Friends-to-Lovers und First-Love-Romance nun für mich zu entdecken. Linus kehrt aus seinem Auslandsjahr zurück und nicht nur ihm, sondern auch seinem besten Freund Aurie wird klar, wie sehr sie einander vermisst haben. Doch was in Linus eine jahrelange Schwärmerei war, ist für Aurie komplettes Neuland. Die Annäherung der beiden hat mich schnell aber auch sanft ihre Beziehung eingeführt, denn das gegenseitige Eingestehen der Gefühle ist nur der Anfang ihrer Geschichte. Mittlerweile hat Finja Lundqvist vier weitere Jugendbücher herausgebracht, auf die mir dieses Buch definitiv Lust gemacht hat.

 

Mentale Probleme sind ein großes Thema

Als Linus und Aurie sich ihre Gefühle gegenseitig eingestehen, könnte es nicht mehr schöner werden. Dennoch kämpft Linus stark damit, seine Homosexualität und sich selbst im Allgemeinen zu akzeptieren und zu lieben. Seine Kämpfe damit werden immer wieder zum Thema, besonders auch in ihrer Dynamik. Das Buch thematisiert einerseits die Unfähigkeit anderer, wahrlich nachzuvollziehen, was in einem selbst vor sich geht, aber auch die Akzeptanz des Unwissens, welche sich zu Solidarität und Unterstützung entwickeln kann. Aurie und Linus gehen in ihrer Dynamik durch verschiedene Phasen aus Unverständnis und Akzeptanz dessen sowie Vorwürfen und Zugeständnissen. An einigen Stellen treten dabei nicht nur leicht toxische Dynamiken ins Spiel, sondern kommt es auch zur Erwähnung und gar Androhung von Selbstverletzung. Da es keine Triggerwarnungen gibt, wollte ich dies hier erwähnen, aber nicht unbedingt zum Negativen des Buches auslegen, da beide Charaktere durch starke Entwicklungen auf diesen 320 Seiten gehen.

 

Wundervolle Nebenfiguren und beiläufige Geschichten

Neben der Freundschaft von Linus und Aurie, die sich über die Zeit zu mehr entwickelt, entwickeln sich auch andere Beziehungen und Freundschaften im Laufe des Buches. Besonders schön fand ich die Freundschaft zwischen Linus und Jordan, die einige wundervolle Überraschungen mit sich bringt. Zudem sind Linus‘ und Auries beste Freund*innen Jytte und Friesa tolle Unterstützungen während ihrer Coming-Outs und dem Prozess, in die Menschen um einen herum Vertrauen zu fassen. Auch die Familiendynamiken der Hauptfiguren sind interessant und bringen verschiedene Aspekte und Schichten ihrer Charaktere mit sich, wenn ich alles in allem vielleicht sogar ein wenig zu komplex für eine Sommerliebesgeschichte finde. Alles in allem habe ich diese 320 Seiten jedoch sehr genossen und tatsächlich sogar ziemlich verschlungen, was ich anfangs nicht erwartet hatte.

 

Fazit

Eine wundervolle Sommerromanze über die erste Liebe, das Coming-Out, der Entwicklung neuer Freundschaften sowie dem Zu-Sich-Selbst-Finden und -Stehen gegenüber Freunden und Familie. Ein durchaus komplexes Jugendbuch auf nur 320 Seiten, welches zwischen schwierigen Themen und Sommerleichtigkeit balanciert, aber etwas mehr in die dramatische Seite lehnt.

 

 


Die Autorin:

Finja Lundqvist wurde 2001 geboren und lebt zurzeit in Dortmund. In ihren Geschichten verbindet sie Herzklopfen und große Gefühle mit knisterndem Slow Burn und einem emotionalen Schreibstil. Am liebsten schreibt sie über innere Konflikte und tiefgründige Charaktere – und natürlich Friends to Lovers. Q

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