[Rezension] Der Circle von Dave Eggers

ALLES WAS PASSIERT, MUSS BEKANNT SEIN. – S.83
Die 24-jährige Mae Holland ist überglücklich. Sie hat einen Job
ergattert in der hippsten Firma der Welt, beim »Circle«, einem
freundlichen Internetkonzern mit Sitz in Kalifornien, der die
Geschäftsfelder von Google, Apple, Facebook und Twitter geschluckt hat,
indem er alle Kunden mit einer einzigen Internetidentität ausstattet,
über die einfach alles abgewickelt werden kann. Mit dem Wegfall der
Anonymität im Netz – so ein Ziel der »drei Weisen«, die den Konzern
leiten – wird es keinen Schmutz mehr geben im Internet und auch keine
Kriminalität. Mae stürzt sich voller Begeisterung in diese schöne neue
Welt mit ihren lichtdurchfluteten Büros und High-Class-Restaurants, wo
Sterneköche kostenlose Mahlzeiten für die Mitarbeiter kreieren, wo
internationale Popstars Gratis-Konzerte geben und fast jeden Abend coole
Partys gefeiert werden. Sie wird zur Vorzeigemitarbeiterin und treibt
den Wahn, alles müsse transparent sein, auf die Spitze. Doch eine
Begegnung mit einem mysteriösen Kollegen ändert alles … Q (Werbung)
Dave Eggers, Kiwi Verlag
Einzelband, 560 Seiten, TB
10,99€, ISBN: 978-3-462-04854-4, Kaufen (Werbung)

Dave Eggers

wurde am 12. März 1970 geboren und ist
einer der bedeutendsten zeitgenössischen Autoren. Er studierte
Journalismus an der University of Illinois, Urbanam bis er die Uni im
Alter von 21 Jahren abbrach, um sich nach dem Krebs-Tod seiner Eltern um
den jüngeren Bruder Toph (Christopher Eggers) zu kümmern. Gemeinsam mit
einem Freund übernahm er dort die lokale, kostenfreie Zeitung Cups, die sie nach und nach in das Satiremagazin Might
umwandelten. Q (Werbung)

 

Meine Meinung

Dieses Buch habe ich tatsächlich aufgrund der Tatsache
gekauft, dass sehr bald schon der dazugehörige Film erscheinen wird und mir der
Trailer extrem gut gefallen hat. Im Nachhinein muss ich jedoch sagen, dass er
mir etwas zu viel von der Geschichte preisgibt und ich auch nicht den ganzen
Cast unterstützen kann. Das Buch jedoch ging sehr gut los, nachdem Franzi und ich zusammen beschlossen hatten, es zu lesen. Es ließ sich schnell und
locker lesen und da es ein futuristisches Buch ist, war ich auch extrem
gespannt, was mir Maes Welt alles offenbaren wird. Ganz so futuristisch war es
dann aber auch nicht, denn diese Realität hat viel mehr mit unserer jetzigen Zeit
gemein als erwartet. In dieser Welt dreht sich alles um Kommunikation,
Partizipation und Teilen möglichst jedes Bereiches seines Lebens.
„Aber die Tools, die ihr erschafft, erzeugen unnatürlich
extreme soziale Bedürfnisse. Kein Mensch braucht diese Menge an Kontakt, die
ihr ermöglicht. Das verbessert nichts. Es ist nicht gesund. Es ist wie
Junkfood.“
– Mercer, S.156

Ich konnte mich wirklich prima in die Welt einfinden, denn
der Autor beschreibt den Campus des Circle sehr anschaulich, während man sich
sofort dorthin wünscht – zum Arbeiten. Es scheint das Paradies, doch natürlich,
wie in so vielen modernen, futuristischen Romanen, ist es das nicht ganz. Auch
wenn es für Mae niemals mehr Schlechtes als Gutes aufzeigt, eigentlich sogar
gar nichts Schlechtes. Im Gegensatz zu ihr scheint ihr Exfreund Mercer jedoch nur
das Negative an diesem System zu sehen: Es dringt in die Privatsphäre der
Menschen ein, nistet sich dort ein, wird immer größer und unberechenbarer. Ihn
mochte ich sehr, auch wenn er am Anfang ein wenig wie ein
Verschwörungsfanatiker wirkt. Doch schlussendlich sind seine Ansichten sehr
verständlich und so mochte ich ihn bald schon mehr als Mae selber. Auch Annie, Maes
beste Freundin, habe ich mehr gemocht als unsere Protagonistin, denn sie hat
sich dem Zwang nicht so leicht untergeordnet, wollte nicht immer mehr und
beliebter werden. Sie war zufrieden mit ihrer Position, was man von Mae leider
nicht sagen kann. Zumindest hat sie sich zu schnell locken lassen.

 

GEHEIMNISSE SIND LÜGEN.
TEILEN IST HEILEN.
ALLES PRIVATE IST DIEBSTAHL.
– S.346
Dieses Buch zeichnet sich vor allem aus, da es nicht in
Kapitel unterteilt ist, sondern lediglich in drei Bücher, von denen das Erste
den Großteil des Buches umfasst und das Dritte nur vier Seiten. Im ersten ist Mae
nur ein Opfer, so könnte man es sagen, doch dann im zweiten wird sie zum Teil
des Systems, einem leitenden Teil sogar. Ihr einziger Widerstand scheint die
Beziehung zu einem größtenteils identitätslosen Mann, der nicht in der
Datenbank zu finden ist, jedoch sagt, dass er ebenfalls beim Circle arbeitet.
Weiterhin bleibt sein Charakter bis fast zum Ende des Buches ziemlich
rätselumwogen, ihre Beziehung zumindest von Seiten Maes relativ flach, wenn es
auch sehr gut in die ganze Geschichte passt. Gefühle sind in so einer digitalen
Welt mehr und mehr zu verachten, zieht man doch all seine Freude aus Smiles und
Frowns und Zings.

Fazit:

Freiheit oder Sicherheit? Corpus Delicti – noch moderner,
noch neuer, noch besser. Ich wünsche folgenden Schulklassen, dass sie
vielleicht dieses Buch lesen dürfen, denn auch wenn es viele Parallelen
aufweist, ist es meiner Meinung nach mehr zu unserer Generation passend und
interessanter. Einzig ein etwas langwieriger Mittelteil und eine Protagonistin, mit der sich sicher nicht alle anfeunden können, beschränken das Lesevergnügen.

Liebe Grüße, eure Sophia

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