[Rezension] Das warme Licht des Morgens von Franziska Fischer

Ein Kinderleben für sein Augenlicht, kein schlechter Deal denkt sich Levi Bärenreiter, dennoch wirft die pötzliche Blindheit sein Leben komplett aus allen Fugen. Als Autor fühlt er sich nun unfähig, jemals wieder das zun tun, was er liebt. Auch als Vater scheint er, nun auf die Hilfe seiner jugendlichen Tochter angewiesen, zu versagen. Verzweifelt und frustriert zieht sich Levi immer weiter aus seinem eigenen Leben zurück, bis er Rea begegnet und sie ihn Schritt für Schritt dorthin zurückführt. Gemeinsam helfen sie sich, weiter und wieder zu leben, denn auch Rea hat mit einem schweren Verlust zu kämpfen, von dem sie Levi nichts erzählt.

Franziska Fischer, Droemer Knaur
384 Seiten, 48 Kapitel, Taschenbuch
9,99€, ISBN 978-3-426-30547-8

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Franziska Fischer

wurde 1983 in Berlin geboren und wohnt dort nach einem Studium der Germanistik und Spanischen Philologie an der Universität Potsdam noch immer. Sie arbeitet als freiberufliche Autorin und Lektorin. Q

 

Meine Meinung

 

Bei diesem Buch und dem dazugehörigen Klappentext war Tiefgang bereits vorprogrammiert. Dass wir die ganze Geschichte aber nicht nur aus Levis Sicht, sondern auch mittels der Gedanken und Gefühle seiner Tochter erleben würden, die sich an verschiedenste, bedeutende Ereignisse ihres bisherigen Lebens erinnert, habe ich nicht gerechnet. Neben den Empfindungen des von der Blindheit betroffenen Protagonisten nimmt man also auch wahr, die es den Menschen in seinem unmittelbaren Umfeld ergeht. Während Levi doch den Großteil des Romanes vor allem auf sich konzentriert und fixiert scheint, bietet dies eine ergreifende und zum Mitfühlen anregende Abwechslung.

 

Levi kann sich einfach nicht erinnern, an keinen einzigen Tag. Sein Gehirn ist voll von Momenten, Menschen und Ereignissen, die nie geschehen sind, die von Anfang an genau dort gewesen sind: in seinem Kopf. All die echten Erinnerungen liegen darunter verborgen, und manchmal, an Tagen wie diesem, hat er das Gefühl, er könne sie nie mehr erreichen. – S.135

 

Die Mischung aus Selbstmitleid, Ohnmacht und Verzweiflung, die Levi zu Beginn der Geschichte, einige Monate nach dem verhängnisvollen Brand empfindet, macht es umso greifbarer, umso erweckender und mitreißender, zu erleben, wie er Dank Rea nach und nach ins Leben zurückfindet und Neues wagt, das ihm in eben diesen vorherigen Monaten völlig unmöglich erschien. Was dem Roman ebenfalls einen ganz eigenen Touch gibt, sind die Verse aus Levis Feder, die vor jedem neuen Monat stehen, sowie die Gedichte, welche jedes Kapitel aus Robins – Levis Tochter – Sicht einleiten. Die Kapitel sind kurz gehalten, scheinen aber dennoch jedes für sich eine eigene Funktion im Verlauf der Geschichte zu besitzen. Dabei ist vor allem zu loben, dass die zwar vorhersehbaren Gefühle, die sich zwischen Levi und Rea entwickeln, keineswegs zu rasch, zu aufdringlich oder unverständlich auftauchen, sondern sich Stück für Stück ans Licht kämpfen.

 

„Schon, aber ohne Selbstzweifel produziert man keine Qualität, weil man zwischen gut und schlecht gar nicht unterscheiden kann. Zumindest ist das beim Schreiben so.“ – Levi, S.334

 

Fazit:

Dieses Buch hat ohne Zweifel meine Erwartungen erfüllt und auch mein Herz berührt, wenn ich mir auch an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr gewünscht hätte. Diese Geschichte von einem Mann, der wieder zu leben lernt, ist eine Empfehlung für alle Liebhaber des geschriebenen Wortes, denn mit diesem weiß die Autorin gekonnt zu spielen.

Herzlichen Dank für dieses Rezensionsionsexemplar an den Droemer Knaur Verlag!

Liebe Grüße, eure Sophia

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