[Rezension] Im Traum kannst du nicht lügen von Malin Persson Giolito

In Stockholm steht die 18 – Jährige Maja nach einem Attentat in ihrer Schule vor Gericht. Fest steht: Sie hat geschossen. Sie ist noch am Leben, doch ihre beste Freundin, ihr Freund und ihr Lehrer sind tot. Ist Maja wirklich eine Mörderin? Und wie soll es zu diesem schrecklichen Szenario gekommen sein?

Malin Persson Giolito, Lübbe Verlag
461 Seiten, 44 Kapitel, Klappenbroschur
16,00€, ISBN: 978-3-431-03993-1

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Malin Persson Giolito

wuchs in Stockholms Vorort Danderyd auf, dem Schauplatz des vorliegende Romans. Sie hat in Uppsala Jura studiert und arbeitet seit einigen Jahren bei der Europäischen Kommission in Brüssel. Sie lebt dort mit ihrem Mann und ihren Kindern. Wegen des großen internationalen Erfolgs von IM TRAUM KANNST DU NICHT LÜGEN will sie sich nun komplett dem Schreiben von Romanen widmen. Sie erntete in Schweden durchweg begeisterte Rezensionen sowohl von den Kritikern als auch von den Lesern. Der Roman wurde als BESTER KRIMINALROMAN SCHWEDENS 2016 ausgezeichnet. Q

 

 

Meine Meinung

 

Eigentlich bin ich ja überhaupt kein Leser und Liebhaber von Krimis, nehme sie nicht einmal in die Hand, wenn ich durch die Buchläden streife, doch dieser Roman hat mich sofort angesprochen, das Thema mich von der ersten Seiten an gepackt. Die Protagonistin steht vor Gericht, daher handelt auch die eine Hälfte der Handlung in einem Gerichtssaal, während Plädoyers und Beweise vorgelegt werden. Die andere Hälfte der Lesestunden verbringt man in Majas Vergangenheit, erlebt hautnah, wie sie ihren Freund Sebastian kennenlernt, wie sie sich in ihn verliebt, wie sie zusehen muss, wie er langsam zerbricht. Beide Stränge konnten mich packen und für sich gewinnen, auch wenn der Wille, zu erfahren, wie es zu dem Attentat gekommen ist, doch immer ein Stück größer war.

 

„[…] Ihr liebt ihn sogar noch mehr, wenn Zlatan sagt, dass er niemals ein Buch gelesen hat und dass Frauen keinen Fußball spielen können, denn so sind die Migranten, frauenfeindlich und ungebildet, aber ihr mögt sie trotzdem, weil ihr so tolerant und verständnisvoll seid, und Zlatan hat ja so ein herrlich charmantes Lächeln.“
– Samir, S.223

 

Alle Charaktere wirken angesichts der ungeklärten Ursachen für die vor bereits neun Monaten geschehenen Tat etwas zwiegespalten. Man will etwas Gutes in ihnen sehen, bekommt ihre Persönlichkeiten aber immer nur bruchstückhaft präsentiert. Man muss sich ihre Charaktere mit jedem kleinen Hinweis zusammensetzen und wird dann doch wieder überrascht, sobald eine neue Wendung eintrifft. Das hält die Spannung extrem oben, genau wie die ganzen unbeantworteten Fragen. Die Vergangenheit ist nie so einfach, wie man sie erzählt, egal wie viele Emotionen und Eindrücke man mit einbindet. Dennoch beweist dieses Buch, dass sie noch um einiges vielschichtiger ist, als man zuerst vermuten mag.

 

Der Zufall ist einfach Gottes Methode, anonym zu bleiben, hat mal jemand gesagt. Alles Sinnvolle ist das Ergebnis einer Lotterie, Ob du reich oder arm geboren wirst, als Frau oder als Transperson, ob du Künstler Erfolg hast oder fünfundzwanzig Millionen im Lotto gewinnst. Nur ein Zufall.
– S.385

 

Von allen auftretenden Charakteren mochte ich persönlich Samir am meisten, da er nicht nur zielstrebig, sondern auch intelligent und liebevoll ist. Dennoch ist er nicht makellos, genauso wenig wie Maja. Wir begegnen ihm immer wieder, etwas sprunghaft, aber schlussendlich ergeben die vielen Bruchstücke ein ganzes, aufschlussreiches Bild. An manchen Stellen wurde es zu verwirrend, an einigen anderen hätte diese Geschichte, hätten all diese krassen und emotionalen Szenen uns als Leser noch etwas mehr zu Tränen regen können – doch zum Nachdenken regt diese Geschichte auf jeden Fall an.

 

Fazit:

Eine bewegende und mitreißende, realitätsnahe Geschichte, welche sich bald auch als Serie auf Netflix wiederfinden wird. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der mit einer solch heftigen Thematik umzugehen weiß.

 

Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Luebbe Verlag!

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