[Rezension] Ein ganzes halbes Jahr von Jojo Moyes

Lou Clark weiß eine Menge. Sie weiß, wie viele Schritte es von der Bushaltestelle bis nach Hause sind. Sie weiß, dass ihr die Arbeit im Café »Buttered Bun«“ gefällt, und sie weiß, dass sie ihren Freund Patrick vielleicht nicht liebt. Was Lou nicht weiß: Sie wird ihren Job verlieren und einen neuen annehmen, der alles Bisherige in Frage stellt. Will Traynor weiß, dass der Motorradunfall ihm den Lebensmut genommen hat. Er weiß, dass alles sich klein und freudlos anfühlt, und er weiß ganz genau, was er dagegen tun wird. Was Will nicht weiß: Lou wird in sein Leben platzen wie eine Explosion aus Farben. Und weder Lou noch Will wissen, dass sie das Leben des anderen für immer ändern werden.

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Meine Meinung

Es kommt wirklich nur äußerst selten vor, dass ich, nachdem ich einen Film gesehen und dadurch den Plot bereits kenne, die Buchvorlage noch lesen möchte. Doch als ich „Ein ganzes halbes Jahr“ auf Spotify und dann auch noch in ungekürzter Version gefunden habe, musste ich daran denken, wie unheimlich ergreifend der Film ist und ich habe doch den Willen gefunden, erneut und vielleicht sogar noch tiefer in die Geschichte von Louisa und Will einzutauchen. Und nun kann ich berichten, dass das Buch ebenso emotional und mitreißend, jedoch zu meiner Überraschung von dem Film sehr gut aufgegriffen worden ist.

Als Protagonistin ist Louisa einfach ein Traum, denn sie ist ziemlich verpeilt und auf ihre Art etwas sehr Besonderes und dennoch unheimlich liebenswert. Als sie für Will eingestellt wird, sagt sie einige Dinge, ist dabei aber sehr ehrlich, die man wirklich nicht bei einem Vorstellungsgespräch von sich geben sollte. Insgesamt scheint sie am Anfang vor allem eines zu sein: ein liebenswerter aber äußerst choatischer Mensch. Noch dazu ist sie so herzensgut, dass sie einem gleich leidtut, als sie auf den Tetraplegiker Will trifft und er – gefangen in der tagtäglichen Demütigung seines neuen Lebens – ihr ihren neuen Job keineswegs leicht gestaltet. Doch auch wenn Louisa den Umständen entsprechend verunsichert ist, gibt es für sie eine Grenze, die sie nicht zu überschreiten bereit ist, sodass sie ihm gegenüber offen spricht und sich Gehör verschafft. Was danach geschieht ist eine der schönsten und berührendsten Geschichten die man wohl in der modernen Literatur finden kann.

Das Buch wird jedoch nicht nur aus Louisas Perpektive erzählt, wie man es erwarten könnte, sondern enthält auch Kapitel aus der Sicht von Wills Mutter, seinem Vater, sowie seinem Pfleger Nathan und Louisas Schwester. Einzig aus Wills Perspektive erhalten wir keine Kapitel, was ich der Autorin aber sehr hoch anrechne, denn sich in seine Situation zu versetzen ist wohl ziemlich unmöglich. Dafür erfährt man aber mit der Zeit dennoch immer mehr über seine Gefühle und darüber, wie er mit dieser neuen Situation umgeht. Auch wenn nicht alle Menschen in seiner Umgebung dabei auf den ersten Blick moralisch richtig handeln, kann man sich doch dank des wunderbaren Schreibstils der Autorin und der tiefen, emotionalen Bindung, die sie dem Leser mit ihren Figuren ermöglicht, mit ihrem Verhalten und ihren Entscheidungen anfreunden.

 

Mein Fazit

Obwohl dieses Buch vermutlich niemandem unbekannt geblieben ist, zumindest nicht mehr nach der Star-besetzten Verfilmung, möchte ich dennoch mein ganzes Herz dafür aussprechen. Eine der berührendsten Geschichten unseres Jahrzehnts, definitiv.

 

Jojo Moyes

hat Journalistik studiert und für die «Sunday Morning Post» in Hongkong und den «Independent» in London gearbeitet. Der Roman «Ein ganzes halbes Jahr» machte sie international zur Bestsellerautorin. Zahlreiche weitere Nr. 1-Bestseller folgten. Jojo Moyes lebt mit ihrem Mann und ihren drei Kindern auf dem Land in Essex. Q

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