[Rezension] Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte von T.J. Klune

Linus Baker ist ein vorbildlicher Beamter. Seit Jahrzehnten arbeitet er in der Sonderabteilung des Jugendamtes, die für das Wohlergehen magisch begabter Kinder und Jugendlicher zuständig ist. Nie war er auch nur einen Tag krank, und das Regelwerk der Behörde ist seine Gute-Nacht-Lektüre. Linus‘ eintöniges Dasein ändert sich schlagartig, als er auf eine geheime Mission geschickt wird. Er soll das Waisenhaus eines gewissen Mr. Parnassus‘, das sich auf einer abgelegenen Insel befindet, genauer unter die Lupe nehmen. Kaum dort angekommen, stellt Linus fest, dass Mr. Parnassus‘ Schützlinge eher etwas speziell sind – einer von ihnen ist möglicherweise sogar der Sohn des Teufels! In diesem Heim kommt Linus mit seinem Regelwerk und seiner Vorliebe für Vorschriften nicht weit, das merkt er schnell. Eher widerwillig lässt er sich auf dieses magische Abenteuer ein, das ihn auf der Insel erwartet, und erfährt dabei die größte Überraschung seines Lebens …

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Was ich zu sagen habe…

Erstmals auf dieses Buch aufmerksam wurde ich in der Story einer zahlreiche Follower aufweisende Instagram-Seite, die eine Wettbewerb zwischen zahlreichen Fantasy-Romanen durchlaufen und ihre AbonnentInnen dazu abstimmen ließ. Auch ich beteiligte mich und konnte es kaum fassen, als dieses mir bis dato unbekannte Buch an meinen absoluten Lieblingen des Genre vorbeizog. Mittlerweile kann ich nachvollziehen, mit welcher Begeisterung und Ausdauer die LeserInnen für diesen Roman abgestimmt haben, denn er hat es allemal verdient. Ich habe dieses Buch wohlbemerkt gelesen, ohne mich über die Kontroverse um den Autor und die Umsetzung realer Begebenheiten in diesem Buch zu erkundigen und möchte diese Geschichte für ihre Außergewöhnlichkeit loben, wenn dieser Hintergrund ihr auch einen Dämpfer verpasst.

Bereits auf den ersten Seiten habe ich mich in den Schreibstil (inklusive der Wortwahl) des Autors verliebt und bewundert, wie er mir unseren Protagonisten Linus Baker mittels dieses in so kurzer Zeit unheimlich nahe bringt. Er spiegelt sich einfach wundervoll in den Worten, die wir lesen dürfen wider, obwohl wir die Geschichte durch einen 3.Person-Erzähler erfahren. Dennoch sind wir unserem Hauptcharakter sehr nah und verfolgen und genießen seine Entwicklung dadurch noch intensiver und eher, als er sich dieser selbst bewusst wird. Mit zahlreichen kleinen Details führt uns T.J. Klune vor, wie Linus seine Vorbehalte und vorgefertigten Meinungen unbewusst in Frage stellt und untergräbt. An seiner Seite dürfen wir die Kinder in Mr. Parnassus‘ Heim, sowie den Heimleiter und dessen Helferin selbst mit all ihren Eigenheiten, Besonderheiten und vielen Schichten kennenlernen. Es hat mir unheimliche (Lucy wäre stolz) Freude bereitet, mit ihnen die zugleich fantastischsten und realistischsten Abenteuer und Herausforderungen zu bestehen. Einzig der Ausgang des Buches und die recht milde Lösung einiger Konflikte könnte ich als etwas weniger gelungen anführen, stelle dieses Kriterium jedoch der vermeintlichen Anpassung an eine jüngere Leserschaft hintan.

„Wie blöd.“ Lucy starrte wieder an die Decke. „Menschlich zu sein ist seltsam. Wenn wir nicht lachen, weinen wir oder rennen um unser Leben, um nicht von Monstern gefressen zu werden. Und diese Monster müssen nicht einmal real sein. Sie können auch einfach nur in unseren Köpfen existieren. Ist das nicht merkwürdig?“
„Das ist es wohl.Aber das ist immer noch lieber als die Alternative.“
„Die wäre?“
„Überhaupt nichts zu empfinden.“
– S.186

Es war zugegebenermaßen schwer, nur ein einziges Zitat aus diesem Buch hier auszustellen, denn ich habe zahlreiche vermerkt, die einerseits wundervoll in die Geschichte integriert sind und dem Leser doch eine größere, tiefgehendere Bedeutung aufzeigen und mitgeben. Das kann man über so ziemlich alles in diesem Buch sagen, denn es ist eine erstaunlich lebensnahe und zugleich fantastische Parabel für das „Anders“sein und den Stolz auf die eigene Besonderheit, auch wenn diese nicht von jedem und jeder akzeptiert werden wird. Besonders im Pride Month trifft diese Geschichte und ihre tiefgründigen Gedanken mitten ins Herz und bewegt mit besonderen Charakteren, ihren emotionalen Geschichten und deren rührendem Zusammenspiel. Sie erzählt von den kleinsten Mitgliedern unserer diversen und farbenreichen Gesellschaft, deren Taten und Aufwachsen uns doch mit der größten Tragweite bestimmen werden.

Fazit: Eine empfehlenswerte und rührende Lektüre in einem jeden Monat und doch besonders passend im Pride Month. Eine vielschichtige, fantasievolle und zugleich realitätsnahe Hymne auf den Stolz auf und den Kampf für die eigene Besonderheit, die mich mit ihren Charakteren und deren Zusammenspiel nicht mit Lächeln aufhören lassen hat.

 

Meine Bewertung:

 


Mehr zum Autor:

Im Alter von sechs Jahren griff TJ Klune zu Stift und Papier und schrieb seine erste Geschichte – eine mitreißende Variante des Videospiels »Super Metroid«. Zu seinem Verdruss meldete sich die Videospiel-Company nie zu seiner verbesserten Variante der Handlung zurück. Doch die Begeisterung für Geschichten hat TJ Klune auch über dreißig Jahre nach seinem ersten Versuch nicht verlassen. Nachdem er einige Zeit als Schadensregulierer bei einer Versicherung gearbeitet hat, widmet er sich inzwischen ganz dem Schreiben. Für die herausragende Darstellung queerer Figuren in seinen Romanen wurde er mit dem Lambda Literary Award ausgezeichnet. Sein Roman »Mr. Parnassus‘ Heim für magisch Begabte« ist ein USA-Today-Bestseller. Q

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