Zu dick, zu schlaff, zu faltig, zu unperfekt: Vor dem Spiegel beginnt für viele der tägliche Kampf. Als ehemalige Fitnessinfluencerin kennt Louisa Dellert diesen Blick auf den eigenen Körper. Lange war sie selbst gefangen in Vergleichen und mit der ständigen Frage beschäftigt: Bin ich schön genug? In ihrem Buch will sie herausfinden, wie wir aus diesem Teufelskreis ausbrechen und endlich Frieden mit unserem Körper schließen können.
Wer verdient eigentlich an unserem schlechten Körpergefühl? Und wer entscheidet, welcher Körper „zu viel“ ist? Louisa Dellert begibt sich auf eine Reise durch ihr eigenes Körperbild und schaut sich dabei die perfiden Mechanismen an, mit denen Schönheitsindustrie und Patriarchat Frauen systematisch verunsichern. Mit schonungsloser Ehrlichkeit und Empathie versucht sie zu verstehen, wie absurde Schönheitsnormen entstehen und warum Männer anders bewertet werden als Frauen. Ihr Buch ist der Versuch, den eigenen Körper endlich als das zu sehen, was er ist: ein Zuhause. Persönlich, aufklärerisch und voller Hoffnung: Ein Hörbuch, das umarmt – und das System beleuchtet, das uns krank macht.
Gesellschaftskritik und Reflektion
Von Louisa Dellert hatte ich vor diesem Buch noch nichts gehört, obwohl es scheint als wäre sie in der deutschen Fitnessszene vor einigen Jahren eine wirklich bekannte Größe gewesen. Zum Glück habe ich aber auch von anderen Fitness-Influencerinnen nicht allzu viel mitbekommen. Was mich jedoch vor allem zu diesem Buch hingezogen hat, sind die konstanten Vergleiche mit anderen Frauen oder schlicht und einfach Erwartungen und Bewertungen, denen wir online ausgesetzt sind. Louisa Dellert nimmt sich dieser in diesem Buch an und erlaubt uns, an ihrer Seite nicht nur Schönheitsideale zu erkunden, sondern auch zu hinterfragen und über sie (und unsere eigenen Gedanken gegenüber anderen Frauen) zu reflektieren.
Unshame–Nicht nur Information sondern auch Anleitung
Dieses Buch und Hörbuch setzt sich in verschiedenen Kapiteln mit unseren verschiedenen Schönheitsbildern und sozial kommunizierten Erwartungen auseinander. In einen der ersten unternimmt sie beispielsweise eine Reise nicht nur durch die Zeitgeschichte, sondern auch in andere Kulturen, um aufzuzeigen, wie Schönheitsideale vor allem im Bezug auf Frauen sich immer wieder verändert haben und seit jeher vor allem dazu dienen, Frauen zu beschäftigen und kleinzuhalten. Wer Geld und Zeit für die Suche nach angeblichen Perfektionismus ausgibt, der hat weniger Energie, um sich über andere patriachale Ungerechtigkeiten zu erkundigen und auszusprechen. Ein wichtiger Teil dieses Buches ist jedoch nicht nur die Informationsweitergabe (und Informationen gibt es viele), sondern auch die Leser*innen dazu einzuladen, selbst zu reflektieren, wie wir Medien aber auch andere Frauen wahrnehmen und bedenken. Am Ende eines jeden Kapitels zu verschiedenen Themen lädt Louisa Dellert dann dazu ein, unsere eigene Wahrnehmung und Beurteilung zu Hinterfragen und unsere Perspektive durch kleine Kontrollfragen und Reflektionen zu verändern.
Persönlich, Politisch, und Prägend
Dieses Buch erzählt von vielen verschiedenen Frauen, manchmal ganz persönlich–so zum Beispiel von Louisa als kleinem Mädchen bis hin zu ihrer Fitnesssucht und ihrer ungesunden Verbildlichung patriarchaler Erwartungen weiblicher Körper–oder auch im Allgemeinen über Frauen verschiedener Kulturen. Dabei stellt sie bereits in ihrem Vorwort klar, dass sie als weiße, cis Frau nur bedingt Erfahrungen mit Frauen teilt, die andere Hautfarben aufweisen oder anders gelesen werden. Sie stellt somit nicht den Anspruch, für alle Frauen zu sprechen, teilt jedoch bedeutende Einblicke in unsere aktuelle Gesellschaft und ihr Umgang mit Frauen.
Fazit
Von sehr persönlichen Einblicken in Louisa Dellerts Umgang mit patriarchalen Erwartungen für Frauen über eine Aufarbeitung verschiedener Schönheitsbilder durch die Geschichte und besonders der letzten Jahre bis hin zu selbstreflexiven Übungen für alle Leser*innen, die sich selbst und ihre Ansichten gegenüber anderen bedenken wollen–dieses Buch bietet nicht nur Informationen und Empathie, sondern auch starke Ansätze, um eine bessere Welt für Frauen zu schaffen, von kleinen, wertenden Gedanken bis zur Solidarität und dem Trotzen gesellschaftlicher Erwartungen.

Die Autorin:
Louisa Dellert, geboren 1989, ist Autorin, Moderatorin, Influencerin und Aktivistin. 2019 erschien ihr SPIEGEL-Bestseller Wir. Sie betreibt das Buchcafé SISU LOU in Braunschweig und ist eine der reichweitenstärksten Stimmen auf Instagram, wenn es um toxische Schönheitsideale geht. Ihre Follower:innen lieben ihre Videoformate zu mentaler Gesundheit und ihre Botschaften für ein gesundes Körperbild. Q
Die Sprecherin:
Luise Georgi wurde 1990 in Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz) geboren. Sie studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater »Felix-Mendelssohn-Bartholdy« in Leipzig. Schon während des Studiums war sie auf diversen deutschen Bühnen zu sehen. Als freischaffende Sprecherin hat sie bereits in zahlreichen Hörbuchproduktionen mitgewirkt und spricht zudem viele »Tatort«-Hörfilmfassungen. Q
