Hey Leute, aufgepasst, keine Fake News, es ist wirklich wahr: neue Geschichten vom Känguru und dem Kleinkünstler. Wird auch echt Zeit. Ich meine, guckt euch mal um in der Welt. Von den Zuständen kriegt man ja Zustände. Das Känguru jedenfalls hat keinen Bock mehr darauf und startet eine Rebellion. Macht ihr mit? Es wird politisch, aktuell – und extrem witzig.
»Ich rebelliere!«, ruft das Känguru, als es in die Küche kommt.
»Aha«, sage ich. »Wogegen rebellierst du denn?«
»Gegen die Zustände.«
»Verständlich«, sage ich. »Löblich geradezu.«
»Rebellierst du mit?«, fragt das Känguru.
»Wenn ich darf.«
»Falsche Antwort. Wer rebelliert, fragt nicht, ob er darf.«
»Guter Punkt.«
»Also rebellierst du mit?«
»Sehr gerne.«
»Hervorragend«, sagt das Känguru. »Dann sind wir schon zu zweit.«
Die Rückkehr des Kängurus
Die ursprüngliche Känguru-Trilogie liegt es bereits ein paar Jahre zurück, ist mir aber immer noch gut in Erinnerung geblieben mit ihren satirischen und hochaktuellen Kommentaren. Der neueste Band dieser Reihe steht ihnen in ihrer Kommentarfunktion in nichts nach, erschien mir aber mehr als je zuvor dazu geschrieben, sich zu profilieren. In diesem fünften Band verfällt das Känguru regelmäßig in „Rants“ darüber, was man alles besser machen könnte. Die Möglichkeiten, die es zu einzelnen Problemen benennt, füllen beinahe Seiten aus. In unterhaltsamen Szenen klärt das Känguru Friedrich Merz zum Beispiel darüber auf, dass Herzinfarkte jährlich prozentual vielfach mehr Menschen tötet als Immigranten und dennoch nicht dagegen vorgegangen wird, bevor er dann zahlreiche Ideen äußert, wie sich die Risikofaktoren in der Gesellschaft verringern ließen. Chapeau für die Denkarbeit dahinter, zugleich aber erschienen diese Paragraphen für meinen Geschmack etwas zu aufklärerisch.
Schließt euch der Rebellion an
Das Buch beginnt mit einem Gefühl der allgemeinen Unzufriedenheit zwischen Marc-Uwe und dem Känguru-nicht mit einander, sondern mit den Umständen. Wie man diese Unzufriedenheit in Tatkraft verwandeln kann, bleibt während des Buches etwas wage, doch Aufklärung und das Sich-Bewusst-Machen scheint ein löblicher Weg im Auge des Autors zu sein. So ziehen die beiden Hauptfiguren los und bewegen weitere Personen, sich der Rebellion anzuschließen. Eine der unterhaltsamsten, aber auch innovativsten Mitrebell*innen ist Herta, die ihr Lokal und einen bald schon gestarteten Podcast dazu verwendet, um über die Missstände in unserer Gesellschaft aufzuklären. Ich habe es geliebt, wie Marc-Uwe diesem Charakter bedeutend mehr Tiefe und Denkkraft verliehen hat als in den vorhergehenden Bänden.
Live Lesung
Was trotz einiger inhaltlichen Unterschiede zu den ersten vier Bänden gleich bleibt ist die wundervolle Vertonung des Autors selbst. Mit seinen verschiedenen Stimmen für die unterschiedlichen Charaktere bringt er sein live Publikum und auch uns, die die Aufnahmen später hören, gekonnt immer wieder zum Lachen. Zudem hat der Ruf zur Tat am Ende dieses Buches noch einmal eine ganz besondere Wirkung, wenn wir uns des Publikums bewusst sind–aber auch, wenn wir diesen Ruf nur in geschriebener oder in zeitversetzter Version wahrnehmen.
Fazit
Alles in allem hat mich dieser fünfter Band dieser gut unterhalten, wenn auch recht häufig auch frustriert und mit Fragen zurück gelassen. Dass das eine gewählte Taktik des Autors ist, um uns dazu zu bringen, die „Umstände“ zu hinterfragen, ist mir vollends bewusst. Nichtsdestotrotz blieben mir Ideen des Rebellierens noch ein wenig zu wage und informativ. Marc-Uwe nutzt das Känguru, um uns neue Sichtweisen auf unsere Gesellschaft aufzuzeigen, hat aber leider auch nicht alle Antworten parat.

Der Autor und Sprecher:
Marc-Uwe Kling singt Lieder und erzählt Geschichten. Sein Geschäftsmodell ist es, kapitalismuskritische Bücher zu schreiben, die sich total gut verkaufen. Seine Känguru-Geschichten wurden 2010 mit dem Deutschen Radiopreis und 2013 mit dem Deutschen Hörbuchpreis ausgezeichnet. Für »QualityLand« erhielt er 2018 den WDR-Publikumspreis. 2025 erhielt er für »VIEWS« den Deutschen Hörbuchpreis in der Kategorie Beste Unterhaltung. Q
