[Rezension] Die Sieben Königreiche 2: Die Flammende von Kristin Cashore

Wer das Mädchen mit den Haaren wie Feuer einmal gesehen hat, wird es nie wieder vergessen: Fire übt eine unwiderstehliche Macht auf alle Lebewesen in ihrer Nähe aus. Sie kann in die Gedanken anderer Menschen eindringen. Nur nicht in die von Prinz Brigan. Wer ist dieser unnahbare Feldherr und welche Rolle spielt er im Kampf um den Thron? Um Fire herum entspinnt sich ein Netz aus Verschwörungen. Und obwohl sich ihr Innerstes dagegen sträubt, kommt sie dem Prinzen immer näher.

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Was ich zu sagen habe…

Im Juni 2014 habe ich den ersten Band dieser Reihe, Die Beschenkte, rezensiert, doch bis heute kann ich mich noch allzu gut entsinnen, wie unheimlich gut mir dieser Auftakt gefallen und wie fasziniert ich von der kreierten Welt und ihrer Figuren war. Ich habe das Buch damals sogar als mein neues Lieblingsbuch bezeichnet. Dementsprechend hoch waren meine Erwartungen und Ansprüche an diesen Folgeband, selbst wenn ich mir bewusst war, dass mein Geschmack sich durchaus verändert haben kann. Während des Lesens verspürte ich jene Faszination für die Welt und die Figuren noch immer, doch mir vielen zugleich Mängel auf, die mich vielleicht erst jetzt störten oder mir damals im Schreibstil der Autorin entgangen sind.

„Soll ich mich lieber für ein trostloses Dasein entscheiden, Archer, nur um am Leben zu bleiben? Ich werde mich nicht in einem Zimmer mit verrammelten Türen und Fenstern verstecken. Das ist kein Leben.“
– S.145

Fires Geschichte versetzt uns unmittelbar ins Geschehen, führt uns an sie und ihre Vertrauten heran, stellt uns aber auch schnell weitere Charaktere vor, die ihr ebenso wie uns noch unbekannt sind. So tritt auch Brigan und seine königliche Welt bald in das Zentrum ihrer Aufmerksamkeit und sie soll erfahren, was ihre Kräfte, die sie immer eher als Fluch gesehen hat, Nützliches anstellen können. Zugleich erfährt sie, wie es sein kann, für die gemocht zu werden, die sie ist, anstatt begehrt zu werden für das, was sie ist. Besonders ihre Enemies to Lovers- und spätere Slow Burn-Beziehung zu Brigan hat das Buch für mich zu einer emotionalen und packenden Angelegenheit werden lassen. Ich habe mich zwar auch von den Kriegshandlungen und Intrigen, sowie Siegen und Verlusten Fires mitreißen lassen, doch wann immer Brigan ins Spiel kam, war mein Herz gefangen (ähnlich ging es mit zugegebenermaßen aber auch bei Archer und deren seiner wundervollen Freundschaft mit Fire). Leider fehlte mir auch in ihrer Beziehung hin und wieder etwas. Die Autorin gibt uns in diesem Folgeband immer wieder detailreiche und identifizierbare Schilderungen, dann wiederum erschien es mir, als hätte ich ein paar Seiten überlesen. Spannung wurde aufgebaut, doch mir fehlte hin und wieder der Fokus, die Moral der Geschichte, wenn es denn eine solche gibt.

Er fragte nicht, was sie damit meinte, was auch besser so war, weil sie es nicht genau wusste. Wenn sie andeuten wollte, dass sie durch das Gewicht ihrer Erfahrung zu weise war, um ein Opfer des Verliebtseins zu werden – nun, der Gegenbeweis saß vor ihr, in Form eines grauäugigen Prinzen miteinem nachdenklichen Zug um den Mund, der sie ziemlich ablenkte.
– S.298f.

Diese 500 Seiten werfen viele emotional bedeutende Themen auf, mit denen sich die jugendliche Zielgruppe sicher wundervoll identifizieren und in welche sie sich hineinfühlen können. Meiner Meinung nach nutzt die Autorin zugleich aber nicht das volle Potenzial ihrer Welt und ihrer Charaktere, nicht nur Fires, sondern auch jenes der zahlreichen, sympathischen Nebenfiguren. Obwohl ich deren Dreidimensionalität und Originalität sehr zu schätzen weiß, ebenso deren Verzickungen, die sich erst im Verlauf der Handlung offenbarten und dieAutorin als ausgeklügelte Meisterin ihres Faches zeigt, kamen vor allem die Antagonisten und ihre Beweggründe, sowie faszinierenden Fertigkeiten zu kurz. Dadurch schien mir die Autorin viele rote Fäden anzufangen, jedoch ausbrennen zu lassen. Dadurch wirkt das Buch auf mich trotz seiner Länge und seiner zahlreichen, packenden Handlungsstränge und Szenen nicht vollständig und dementsprechend nicht vollkommen ausgeglichen.

Fazit: Fires Welt bietet zahlreiche, faszinierende Ereignisse, Beziehungen und Wendungen, jedoch auch ungenutztes Potenzial. Nachdem ich den ersten Band der Reihe vor Jahren gelesen und geliebt habe, erschien mir diese Geschichte zwar weiterhin packend und emotional, zugleich aber unausgeglichen.

 

 


Mehr zur Autorin:

Kristin Cashore studierte am Center for the Study of Children’s Literature in Boston. Ihre Bücher »Die Beschenkte«, »Die Flammende« und »Die Königliche« schafften sofort den Sprung auf die New-York-Times-Bestsellerliste und wurden vielfach ausgezeichnet. Q

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