[Rezension] Der kleine Hobbit von J.R.R. Tolkien

Vorbei ist es mit dem beschaulichen Leben von Bilbo Beutlin, seit er sich auf ein Abenteuer eingelassen hat, das Hobbitvorstellungen bei Weitem übersteigt. Nicht nur, dass er sich auf eine Reise von der Dauer eines Jahres begibt, die ihn quer durch Mittelerde führen wird, er lässt sich auch vom Zwergenkönig als Meisterdieb unter Vertrag nehmen und verpflichtet sich, den Zwergen bei der Rückgewinnung ihres geraubten Schatzes zu helfen. Auf seiner abenteuerlichen Reise gelangt Bilbo in den Besitz des Ringes, den er später an seinen Neffen Frodo weitergibt – die Grundlage für die legendäre Trilogie um den »Einen Ring«.

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Meine Meinung

Es ist schwer, Jahrzehnte nach dem Erscheinen sich einem Klassiker wie diesem zu nähern, denn man fühlt sich unweigerlich bescheuert, etwas an ihm zu kritisieren. Doch die Geschichte an sich habe ich aufgrund der Filme sehr zu lieben gelernt, weswegen ich mir dieses Buch schon sehr, sehr lange zu lesen vorgenommen hatte. Als ich den ersten Versuch vor einigen Jahren unternommen habe, hörte ich bereits nach einigen Seiten wieder auf, da die Vorstellung singender und Instrumente spielender Zwerge trotz der ebenfalls im Film vorhandenen Szene für mich etwas zu schräg und stimmungstötend war. Beim zeiten Versuch kam ich jedoch besser in die Atmosphäre von Mittelerde hinein und konnte mich über einige Zeit hin stetig durch die Geschichte hindurch bewegen. Selbstverständlich schaffe ich es nicht ganz, die Filme bei meiner Meinung zu diesem Buch außen vor zu lassen, denn ich habe sie nun einmal eher gesehen und geliebt, aber auch in dieser ursprünglichen Fassung der Geschichte gibt es durchaus etwas liebzugewinnen.

Die Charaktere sind zwar für meinen Geschmack etwas zu kinderbuchtypisch und dadurch sehr eher eindimensional und zumeist auf ein Attribut ihrer selbst herunterreduziert, aber dennoch unterhaltsam. Man kann sich durchaus mit ihnen identifizieren, denn ihre Beweggründe scheinen meist sehr alltäglich, auch wenn es ihre Geschichte keineswegs ist. Die Handlung selbst ist äußerst durchmischt und auch spannend, die Dialoge lassen die Leser immer wieder schmunzeln und hätte ich das Buch als Kind gelesen, wäre ich wohl hellauf begeistert gewesen. Doch als mittlerweile Erwachsene sehe ich einige Punkte etwas kritischer und würde mir durchaus an der ein oder anderen Stelle etwas mehr Erklärung wünschen, um einige Entscheidungen der Charaktere – vor allem Thorins – besser verstehen zu können. Selbstverständlich hätte es wohl den Rahmen gesprengt, jeden der auftretenden Charaktere, die nun wirklich zahlreich sind, mit einer eigenen umfassenden Hintergrundgeschichte und einem tiefgründigen Weltbild auszustatten, sodass man hier eine gefühlt abgespeckte Version erhält, die aber dennoch dazu einlädt, die Zwerge und vor allem den Hobbit ins Herz zu schließen.

Dezent weggeblendet von Themen und Szenen, die wohl für Kinder nicht angemessen gewesen wären, wurde ebenfalls. Die Schlacht der fünf Heere erlebt man von daher nicht direkt mit – zumindest nicht die gesamte Schlacht. Das finde ich äußerst passend, auch wenn ich zuerst etwas enttäuscht war, immerhin war ich es von den Filmen ganz anders gewohnt. Jedoch wurde es durch solche Wegblendungen nicht weniger spannend. An anderen Stellen jedoch, wurde meiner Meinung nach zu viel Zeit in eine gewisse Angelegenheit investiert, welche man auch um einiges kürzer fassen hätte können. Immerhin waren die Gefährten doch zusammen auf einer Reise, die einen fixen Endpunkt hat, doch zugleich schienen sie hier und da gerne mal ein paar Wochen vorbeiziehen zu lassen. Schlussendlich sind es aber alles nur Kleinigkeiten, die man aussetzen kann und die in Anbetracht des Genre nicht sonderlich fatal ausfallen. Hätte ich das Buch als Kind gelesen, hätte ich ihm sicher gar vier oder fünf Sterne gegeben, doch so und aus heutiger Sicht würde ich wohl andere Bücher meinen eigenen Kindern vorsetzen und empfehlen.

Mein Fazit:

Ein Klassiker, dem man seinen Fantasy-Charakter und sein grandioses Worldbuilding nicht absprechen kann, der mich aber doch nicht so stark wie erwartet hat mitreißen können.

 

J.R.R. Tolkien

John Ronald Reuel Tolkien, CBE war ein britischer Schriftsteller und Philologe. Sein Roman Der Herr der Ringe ist eines der erfolgreichsten Bücher des 20. Jahrhunderts und gilt als grundlegendes Werk für die moderne Fantasy-Literatur. Q

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