[Rezension] Der fürsorgliche Mr. Cave von Matt Haig *Rezensionsexemplar*

Wie weit geht ein Vater, um seine Tochter zu beschützen?
Nach dem tragischen Tod seines Sohnes Reuben scheint es dem Antiquitätenhändler Terence Cave endgültig, als sei seine Liebe verflucht: Seine Mutter hat den Freitod gewählt, seine Frau starb als Mordopfer. Einzig Reubens Zwillingsschwester Bryony ist noch übrig – und Terence schwört sich, seine wunderschöne Tochter mit all seiner Kraft vor den Gefahren dieser Welt zu schützen. Koste es, was es wolle. Doch die 15-Jährige fühlt sich von ihrem überfürsorglichen Vater mehr und mehr wie in einen Käfig gesperrt, der ihr die Luft zum Atmen nimmt. Als Terences Regeln immer strenger werden, bahnt sich eine Katastrophe an.

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Was ich zu sagen habe…

Im letzten Jahr bin ich ein großer Fan von Matt Haig geworden. Mit The Comfort Book und Die Mitternachtsbibliothek hat er mich für sich gewonnen. Beide Bücher sind wundervolle Allegorien des Nicht-Aufgebens, des Durchhaltens und auch des Verlustes. Jedoch fokussieren sie sich mehr auf das Individuum und persönliche Entwicklungen, weniger auf die Frage, was mit uns passiert, wenn uns ein wichtiger Teil unseres Lebens entrissen wird. Der fürsorgliche Mr. Cave stellt sich einem erschütternden Szenario mit einer noch schockierenderen Geschichte.

Die Erzählperspektive baut ungemein Spannung auf und bringt uns ganz nah ans Geschehen. Terrence Cave erzählt in der Ich-Perspektive, spricht dabei jedoch immer wieder direkt seine Tochter an. Diese Formulierungen erzeugen bewusst etwas Stalkerhaftes, was die Ereignisse sehr zwiespältig gestalten. Wir können uns mit dem Protagonisten durchaus zu gewissen Teilen identifizieren. An anderen Stellen, an denen sein Verhalten offensichtlich zu weit geht, distanzieren wir uns aber auch kritisch von ihm. Hinter all seinen Handlungen liegt ein ergründbarer und verständlicher Kern, während uns die Verzweiflung und Liebe, die ihn antreibt, gefangen nimmt und durch die Seiten trägt. In gewisser Weise könnte man Terence und Brionys Geschichte als Thriller betrachten. Die Ausmaße seiner Liebe und Fürsorge nehmen bedrohliche Ausmaße an, die uns lange unklar bleiben.

Weitere Figuren spielen in die Geschichte hinein und sind äußerst interessant, jedoch begrenzt konstruiert. Gebunden an Terrence‘ Perspektive bleiben dabei zahlreiche Fragen offen. Zugleich ermöglicht es uns seine Unzuverlässigkeit als Erzähler, seine Schilderungen zu hinterfragen. Wir sehnen den Ausgang der Geschichte herbei, während wir uns ebenso sehr davor fürchten, dass dieser mit sich bringen könnte. In einer ergreifenden, schockierenden und dadurch fesselnden Weise bringt uns der Autor das Schicksal eines Vaters nahe, dessen Liebe zwanghafte Züge annimmt und das Wertgeschätzte gar gefährdet.

 

Fazit

Bisher hat mich jedes Buch von Matt Haig unglaublich berührt – dieses hier jedoch auf vollkommen neue, ungekannte Weise. Diese Geschichte eines Vaters und seiner Tochter, die er um alles in der Welt beschützen will, wirft tausende Fragen auf, schockiert und berührt. Nach ein paar Stunden mit diesem unzuverlässigen, traumatisierten Erzähler lässt uns der Autor noch lange über die Erzählung nachdenken.

 

 

Hinweis: Wer keine Hörbücher mag, der kann sich dieses Buch in der wundervollen Hardcover-Ausgabe von Droemer Knaur zulegen. Zu meiner Begeisterung hat es sogar eine goldenes Lesebändchen und eine wunderschöne Aufmachung unter dem Schutzumschlag.

 


Der Autor

Matt Haig, 1975 in Sheffield geboren, wurde für seine Romane und Kinderbücher bereits mit verschiedenen literarischen Preisen ausgezeichnet. Sein Werk wird in über 30 Sprachen übersetzt. In Deutschland erlangte er mit den Bestsellern „Ich und die Menschen“ und „Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben“ Bekanntheit. Zuletzt erschien „Die Mitternachtsbibliothek“. Q

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