[Rezension] Vampyria 1: Der Hof der Finsternis von Victor Dixen *Rezensionsexemplar*

Jeanne Froidelac wird sterben. Denn sie befindet sich gegen ihren Willen in der Kutsche eines in sie verliebten adeligen Vampirs auf dem Weg nach Versailles. Am Hof der Finsternis herrscht nämlich seit 300 Jahren Ludwig der Unwandelbare als König der Vampire. Während die Adeligen nichts mehr begehren, als durch die Gunst des einstigen Sonnenkönigs unsterblich zu werden, müssen einfache Menschen wie Jeanne ihr Blut als Steuer abgeben. Doch zum Glück wird sie für eine Adelige gehalten, die nach ihrer Ausbildung in eine Vampirin verwandelt werden soll, falls sie die gefährlichen Prüfungen besteht. Doch Jeanne hat andere Pläne: Sie wird dem König nicht dienen, sondern ihn stürzen! Denn sie kennt nur ein Ziel: Rache.

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Die Vampire sind zurück – oder nie verschwunden?

Als die Bloggerpreview auf das neue Verlag diesen Titel preisgab, entsann ich mich meiner jahrelangen Begeisterungen mit Vampiren. Zu einem gewissen Grad ist diese noch immer vorhanden, vor allem dank Vampire Academy. Ansonsten hatte ich jedoch das Gefühl, dass Vampirgeschichten eher ausgelutscht und wenig originell sind. Umso mehr war ich von dieser Prämisse fasziniert. Auch liebe ich alles, was wage mit Frankreichs Geschichte und Königen zu tun hat. Mit diesem Roman sprach mich der Autor also ungemein an, konnte mich dann aber leider nicht unmittelbar abholen.

 

Neue Welt, neue Charaktere, neue Gefahren

Die ersten Kapitel werfen uns sehr unvermittelt ins Geschehen und konnten mich trotzdem nicht wirklich mit Spannung erfüllen. Obwohl ich Jeannes Schock und Verzweiflung wahrnahm, erschien mir die Handlung und spezielle Szenen etwas plump und wenig überzeugend (z.B. der Kampf mit dem Baron). Auch Dialoge waren vor allem da, um Informationen mit der Leserschaft zu teilen und wirkten dadurch anfangs wenig natürlich. Zumindest war ich beruhigt, dass sich Jeannes erste Begegnung mit einem Vampir in keine überstürzte (oder überhaupt eine) Liebesgeschichte entwickelt.

Bevor auch nur ein Hauch Ruhe in die Handlung kommt und wir uns wirklich mit der Welt anfreunden können, passiert furchtbar viel. Jeanne verweilt nirgendwo für länger als einen Tag. Deswegen war es schwer für mich auszumachen, was ungewohnt für sie und was lediglich Teil ihrer grausamen Welt ist. Erst ab der Hälfte des Buches siedeln wir uns im Großen Marstall an und werden vertrauter mit anderen Figuren und den alltäglichen Umständen in dieser Gesellschaft.

 

Zahlreiche Wendungen, reflexive Momente und spannendes Finale

Obwohl mich das Buch anfangs nicht abholen konnte, mochte ich die letzten 150 Seiten sehr. Darin hatte Jeanne eine klare Vorstellung von ihrem Plan. Wir hingegen konnten ihre Chancen und ihre Welt im Allgemeinen besser einschätzen. Hinzu kommen bessere Dialoge und schockierende Momente, die unsere Protagonistin auf die Prüfung stellen. Die tatsächlich abgehaltenen Prüfungen haben mich auch mitgenommen und interessante Spannungen zwischen den einzelnen Figuren aufgebaut. Die finalen Kapitel des Buches haben diesem Buch noch bedeutend mehr Tiefe verliehen und mich durch faszinierende, vielschichtige Charaktere auf die weiteren Bände gespannt gemacht. Ein ruppiger Einstieg und ein sehr unruhiger Mittelteil wurden von einem erstaunlich packenden und reflektierten Schluss abgerundet.

 

Fazit

Wer Vampire für tot hält, findet sich beim Lesen dieses Auftakts in einem interessanten Widerspruch wieder. Victor Dixen schafft allemal eine neue, faszinierende Welt, die ich gerne weiter erkunden werde. Obwohl mich dieser erste Band erst in der zweiten Hälfte wirklich abholen konnte, trumpft er mit Charakteren, Spannungen, und Verschwörungen auf, die mir sicher noch viele, düstere Lesestunden bescheren werden.

 

 


Der Autor:

Victor Dixen, zweimaliger Gewinner des »Grand Prix de l’Imaginaire«, wurde als Sohn einer französischen Mutter und eines dänischen Vaters geboren. Er hat in Paris, Dublin und Singapur gelebt und wohnt aktuell in New York. Nachts schläft er eher wenig und widmet sich in den dunklen Stunden der Erschaffung phantastischer Welten. Q

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